278) Kämpfen, kämpfen, kämpfen

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Der Markt am Samstag ist zurück – ein Grund zur Freude für alle. Für die meisten Mit-Bewerber ist der Markt aber mehr als nur eine wöchentliche Abwechslung.

Der samstägliche Markt in Montagu kehrt zurück. Die Meldung erreicht uns zu Beginn der Woche. Das freut uns natürlich sehr. Wieso er eigentlich mal weg war? – Wir wissen es nicht, denn selbst mit den neueren härteren Lockdown-Regeln wäre der Markt erlaubt gewesen. Doch er findet auf städtischem Gebiet statt. Eventuell war dies der Grund und nun sind die Ferien vorbei, die Entscheidungs-Träger in der Stadtverwaltung zurück und vielleicht ist er deswegen wieder jeden Samstag. Spielt eigentlich auch keine Rolle, Hauptsache Samstag ist wieder Markttag. Für uns eine willkommene Abwechslung, ein gutes Marketing-Tool um uns bei Touristen und den Einheimischen zu präsentieren und natürlich auch ein guter Verkaufsort mit direktem Kundenkontakt. Viel bedeutsamer ist er aber für viele andere Verkäufer.

Tatsächlich ist der Markt für einige unserer Mitaussteller scheinbar die einzige Verdienstmöglichkeit. Irgendwie traurig aber wahr. Nicht nur für die Standbetreiber, sondern sogar auch für die beiden fleissigen Markt-Helfer, welche am Eingang jede Besucher-Hand mit Desinfektions-Mittel bestäuben, Wäsche-Klammern an jeden Besucher klemmen und somit auch die maximal zugelassene Besucherzahl unter Kontrolle haben. Auch diese beiden haben sonst keine Arbeit und fragen mich an jedem Markttag ob ich nicht eine Arbeit für sie habe oder jemanden kenne, der fleissige Helfer sucht. Alle kämpfen, das wird mir immer mehr bewusst. Es wird Geld am Markt verdient mit selbst gebackenem oder Snacks welche gleich vor Ort gekocht werden oder allerlei Hobby-Arbeiten. Viele ältere Menschen sind dabei. Rente? Fehlanzeige! Die gibt’s schon, aber das ist bei weitem zu wenig zum leben reicht fast nicht mal zum sterben.

Andere sind noch mitten im Berufsleben haben aber ihre Arbeitsstelle verloren und versuchen nun mit allem was ihre gemietete Farm hergibt, noch Geld zu verdienen. Wohlgemerkt, den Job verloren mit über siebzig Jahren. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig als zu kämpfen, täglich. Der Gemüse- und Obst-Farmer muss seinen kleinen Hofladen in der Stadt schliessen. Laden-Miete und Nebenkosten machten das Geschäft unrentabel. „Es ist zu wenig Geld in der Stadt“, bemerkt er bedrückt. Nun fährt er wöchentlich stundenlang in den Norden um dort seine frischen Früchte und sein Gemüse „en gros“ zu verkaufen. Ein riesen Aufwand für bestimmt nicht viel Ertrag. Aber, besser als nichts. Es bleibt auch ihm nichts anderes übrig, als zu kämpfen.

Und wir, wir sind zufrieden mit unserer Business-Entwicklung. Und es bleibt die Erkenntnis, dass es uns wirklich gut geht hier in Südafrika, und als Schweizer generell. Hier gibt es so viele Menschen, welche einfach bis ins Grab arbeiten weil die staatliche Unterstützung bzw. die Rente fast gänzlich fehlt. Leben von der Hand in den Mund. So schön auch die vielen Freiheiten sind welche Südafrika bietet, denkt man nicht an später, rächt sich das. Auf der anderen Seite ist es gerade dies, was Südafrika so lebenswert macht. Man lebt im Hier und Jetzt und nicht in Gedanken schon im später. Abgesichert mit Versicherungen für alles und jeden, sind wir Schweizer all zu oft eingespannt, doch mit dem Erreich des Pensionsalter gut aufgehoben. Falls man es dann erreicht. Leben so lange man lebt oder abgesichert für alle Eventualitäten? Man kann irgendwie nicht beides haben. De Foifer und s Weggli – selten erreicht.

Man liest sich!

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