252) Abwechslung im Lockdown

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Wir verbringen einen typisch südafrikanischen Abend bei unseren Nachbarn. Der Lockdown geht weiter und die Proteste nehmen zu. Und unsere Köpfe haben endlich wieder eine Frisur – alles im neuen Blog

Wie schon mal erwähnt, fühlen wir uns nach wenigen Monaten in Montagu schon viel besser integriert und angekommen als nach Jahren in Somerset West. So wird der samstägliche Bummel im Städtchen zu einem abwechslungsreichen Schwatz da und dort. Wir treffen bekannte Gesichter und geniessen diese Momente. Schliesslich führt der Lockdown bei Allen langsam aber sicher zum immer gleichen Trott und man ist überall froh, wenigstens mal ein bisschen unter die Leute zu kommen und sich auszutauschen. Auch wenn beim Schwatz oder auch beim Einkaufen schlussendlich immer nur ein Thema das Gespräch dominiert. Man spürt überall, dass niemand mehr an die Regierung und die getroffenen Massnahmen glaubt. Die Wirtschaft liegt definitiv am Boden, der Tourismus sogar noch ein wenig tiefer und vielen, vielen Menschen geht es wirklich dreckig. Eine friedliche Demonstration diese Woche von Tourismus-Betrieben und Menschen die mit Gästen ihr Geld verdienen, zeigt auf wie viele Mäuler manchmal mit bloss einem Job ernährt werden. Oder eben leider wurden. Der Hunger in vielen armen Gebieten wird grösser und grösser und damit auch der Unmut. Doch dann meldet sich am Donnerstag überraschend der Präsident zu Wort. Was nun wohl kommt? Die öffentlichen Schulen werden nun für vier Wochen geschlossen, die meisten privaten waren es schon länger. Viel mehr erzählt er eigentlich nicht. Er will noch die Korruption im Zusammenhang mit den vielen Hilfsleistungen für Covid-19 Opfer, die irgendwo versandet sind untersuchen lassen. Glauben will ihm das niemand so recht. Dass er nun die Schulen schliesst, ist wohl dem Druck der Lehrer-Gewerkschaft zu erklären. Und wie jede Gewerkschaft ist auch diese dem ANC nahe und so wurden deren Klagen erhört. Der Tourismus-Verband hat wohl keine solche Nähe zur Regierung genau so wie auch die Weinbauern. Hier seien „bis 90% der Existenzen durch das Alkohol-Verbot bedroht“, liest man. Lange wird das alles nicht mehr gut gehen. Irgendwann ist genug und man setzt sich über Regelungen hinweg. Oder geht eben nicht mehr so friedlich Demonstrieren wie es in der Umgebung in Kapstadt schon seit Wochen fast täglich geschieht.

Nicht über Regelungen mussten wir uns hinweg setzen als wird die Einladung einer Nachbarin zum Braai-Abend annehmen. Dies ist ja in kleinen Gruppen erlaubt. Ein Grill-Abend im tiefen Winter? „Sitzen wir wohl draussen?“ „Was ziehen wir denn an, wie viele Kleider-Schichten sind nötig?“ Fast pünktlich treffen wir ein, es ist tatsächlich draussen unter dem Dach auf der Veranda aufgetischt. Kein Problem, südafrikanische Wintertage können sehr mild sein und die 24 Grad vom Tag haben den Platz schön aufgewärmt. Wie es sich für Südafrika gehört, geht’s mal mit Bier und Wein los, „oder Whisky oder Gin, wie ihr wollt“. Dazu gibt’s ein wenig Nüsschen zum Knabbern. Wir sind ja schliesslich zum Braai eingeladen und nicht zum Apéro. Nach fast zwei Stunden und Bier und Wein macht sich der Gastgeber mal an, das Feuer zu entfachen. Hungrig kommt man einfach nicht zu einem Braai. Der Abend ist äusserst gemütlich und nach drei Stunden gibt’s dann auch zu Essen. Viel zu Essen. Vor allem einfach Fleisch. In allen Variationen und noch Brot und Salat. Genau so sind die südafrikanischen Braai-Abende. Natürlich dominiert auch hier nur das eine Thema und es wird auch erstaunlich offen über Politik diskutiert und mit der eigenen Meinung hält man sich auch überhaupt nicht zurück. Das erstaunt mich sehr. Doch wahrscheinlich braucht man unter Weissen auch nicht auf zu passen, was man sagt. Man ist durchs Band einer Meinung und muss keine Angst haben, sich ins Fettnäpfchen zu setzen. 

Schön sind nun auch endlich wieder unsere Haare. Nach monatelanger Coiffeur-Abstinenz sind wir beide seit dieser Woche frisch frisiert. Die administrativen Arbeiten dauern bei mir fast länger als der Haarschnitt als solche. Formulare werden ausgefüllt, Temperatur gemessen, Pass- und Handy-Nummer angegeben und sämtliche Instrumente welche für eine Frisur notwendig sind, werden feinsäuberlich desinfiziert – und sogar der Umhang ist aus Wegwerf-Plastik. Klinischer geht’s höchstens noch im Operationssaal zu und her. Aber Hauptsache die Frisur sitzt und der Coiffeur kann wieder seiner Arbeit nachgehen.

Man liest sich!

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