249) Der Tag als und mit Baumfällern

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Wir probieren uns als Baumfäller und brauchen irgendwann doch Hilfe. Wieso dieser Tag dann nachdenklich endet – hier im neuen Blog.

„Auf eine Farm wie die unsere gehört eine Kettensäge“, sagte Barbara mal vor einiger Zeit und wir kauften auch eine. Schliesslich brauchen wir Feuerholz und auf einer Farm liegt doch so einiges an Holz rum. Vor allem aber ist der Moment gekommen ein Langzeit-Wunsch anzugehen. Die beiden Bäume auf unserer Terrasse müssen weg. So schön sie sind, so viel Arbeit bringen sie und so viele Nerven verbrauchen sie auch. Fast tägliches (!) Wischen wegen dem Laub und den Blüten und da sind da noch die unzähligen Vögel die alles versch…. . Brauchts noch mehr Argumente, Schatten auf der Terrasse und vor allem Dunkelheit im Wohnzimmer. Sie müssen weg. Mittwoch, es geht los. Ich mit grossem Respekt vor der Motorsäge, hab schon am Dienstag noch ein paar Probe-Ruggeli bei herum liegenden grossen Stämmen geschnitten um mich mal an die Säge zu gewöhnen. Der Respekt vor der Maschine ist gross. Mutig und voller Tatendrang machen wir uns ans Werk. Die beiden Bäume haben sich so ziemlich verschachtelt. Äste vom einen Baum ziehen sich quer durch den anderen hin durch und umgekehrt. Also überlegen wir uns jeden Schnitt zwei bis drei Mal und checken dann noch die Sicherheits-Aspekte und los geht’s. Ast eins fällt schnell und wie gewünscht. Ast zwei irgendwie auch noch. Bei Ast drei verhakt sich zum ersten Mal die Motorsäge doch es geht weiter. Bei Ast vier wird’s zum ersten Mal brenzlig und bei Ast fünf diskutieren wir schon länger wie der nun geschnitten werden soll damit ich auf der Leiter nicht gerade erschlagen werde. Das Internet verriet mal „aus Sicherheitsgründen sollte nie über Kopf geschnitten“ werden mit einer Motorsäge. Das hab ich bereits gemacht und beim nächsten Schnitt stehe ich ja auch noch wackelig auf der Leiter. Der Mut verlässt mich irgendwie und Barbara spricht die erlösenden Worte: „Soll ich mal bei den Nachbarn fragen ob die einen Arbeiter haben, der Bäume fällt oder ob sie jemanden kennen?“ „Gute Idee“, meine erleichterte Antwort. „Prima, wir haben einen der kommt morgen“, bringt Barbara schnell die Erlösung. „Morgen nach Acht Uhr wird er hier sein“. 

Wie das ja so ist mit den externen Arbeitern in Südafrika, fragen wir dann doch um halb zehn mal nach, wann sie dann eintreffen werden. Doch dann sind sie da. Pünktlich, schliesslich ist es ja nach Acht. Drei Leute sind es. Alle Schwarz und der Chef ist der, der nichts trägt und die anderen beiden einmal das Material schleppen lässt.  Der Chef höchstpersönlich bedient dann die Motorsäge ohne vorher während etwa zwanzig Minuten mit den anderen beiden den ersten Schnitt zu erläutern. Die sind also nicht viel sicherer als wir, bemerken wir als Zuschauer aus dem Wohnzimmer. Dann geht’s los und die ersten Äste fliegen. Nach etwa vier Stunden steht der erste Baum noch immer. „Die Motorsäge ist noch keine zwanzig Minuten gelaufen, seit die hier sind“, bemerkt Barbara genervt. „Locker bleiben, wir bezahlen sie ja nicht nach Stunden sondern für die Arbeit bzw. das Ergebnis“. Es dunkelt schon leicht, als wirklich der letzte Ast des zweiten Baumes fällt. „Wir putzen noch und dann ist alles erledigt“, sagt der Chef zu mir, ohne natürlich selber nur einen Finger krumm zu machen. Schliesslich hat er ja zwei Mitarbeiter und er ist ja Herr der Motorsäge. Er kuckt Videos auf dem Handy, während die anderen Wischen und Kleinzeugs zusammen tragen. Ich bring ihm seinen vorangeschlagenen Betrag, er zählt nach, versteckt sich dabei aber vor seinen Mitarbeiter. Sie sollen wohl nicht wissen, welchen Betrag er verdient hat und mit welchem Lohn er die beiden abspeist. Einer der beiden Handlanger ist übrigens sichtbar schon sehr alt. Läuft auch schlecht aber chrampft wie ein Junger. „Ich habe gesehen, dass du dort hinten einen Aschenbecher hast“, sagt er zu mir. Ich denke schon, er will eine Zigarette schnorren im harten Alltag von uns Rauchern in der Illegalität. „Darf ich die Stummel mitnehmen?“, fragt er mich. Ich bin perplex und stammle: „Ja natürlich“. Er räumt den ganzen Aschenbecher leer. Und erst jetzt wird mir bewusst, dass für ihn wohl zwanzig Stummel mit Tabakresten wieder eine ganze Zigarette ergeben. Trauriges Südafrika, trauriges Lockdwon-Regime.

Man liest sich!

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christine Naef sagt:

    ……. dann hast du ihm ja sicher noch ein Päckli geschenkt….

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    1. Sacha sagt:

      …nein. das wäre dann das doppelte gewesen als er wohl an diesem tag verdiente…

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