241) Es ist geschafft – doch wie geht es weiter?

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Unsere Ernte ist mehr oder weniger beendet. Ruhe kehrt ein und der Lockdown beschäftigt nicht nur uns immer mehr. Es könnten harte Zeiten kommen oder sind wir schon mitten drin?

Am Dienstag ist es soweit. Die letzte Kiste mit Tafeloliven findet den Weg in den Keller und von dort ins Eichenfass. Unsere Ernte ist beendet. Exakt sechs lange Wochen dauerte sie. Auch wir sind wirklich geschafft und freuen uns über den Ertrag. Unser Ziel haben wir knapp erreicht und den Verlust durch den Käfer-Befall gut aufgefangen. Einige Oliven hängen noch an den Bäumen, sie sind noch nicht reif genug. Die werden in den nächsten Tagen und Wochen den Weg auch noch in die alten Weinfässer finden und dann ist unser Lager gefüllt wie geplant. Wenn sich nun noch der Lockdown lüftet, dann haben wir unser normales Leben zurück.

So wie unsere Stimmung ab und zu während der Ernte zu kippen drohte, droht sie nun im ganzen Land um zu schwappen. Lockdown Level 4, ist wie sich herausstellt fast noch schärfer als der erste komplette Lockdown. Zwar sind nun einige Dinge erlaubt, aber nichts davon wirklich von Bedeutung. Dafür herrscht ab 20.00 Uhr bis früh morgens um fünf eine komplette Ausgangssperre. Die Arbeitslosigkeit steigt schon fast ins unermessliche, Hungersnöte in gewissen Gebieten ebenso. Die Regierung tritt auch nicht mehr so vereint auf, wie auch schon und die Opposition wird immer lauter. Die Wirtschaft, sonst schon gebeutelt ist bald komplett am Ende. Tourismus findet wohl in diesem Jahr für ausländische Gäste gar nicht mehr statt. Die ersten sterben, nicht an Corona, sondern an komischen Folgen davon: an selbst gebrautem Bier. Was da schief gehen kann, frage wohl nicht nur ich mich. Ananassen werden so viele verkauft wie noch nie. Bier brauen geht scheinbar irgendwie mit diesen Früchten. Hefe ist in gewissen Supermärkten rationiert und es dürfen nur noch zwei Päckli Hefe pro Einkauf eingepackt werden. Ja, ich hätte auch Lust auf ein Bier. Aber doch nicht auf einen Ananas-Irgendwas-Drink oder sonst eine selbstgebraute Pfütze – ich will doch einfach mein kühles, leichtes Bier zurück.

Der Lockdown bringt uns aber auch positives – Kunden in den Shop! „Einfach mal raus gehen, weg aus der Stadt, weg aus dem üblichen Trott“ freuen sich unsere Kunden. Doch nichts desto Trotz: ich vermute, es ziehen dunkle Wolken auf. Rassismus, könnte zum Problem werden. „Die Weissen sind schuld am Virus“, „Eingeschleppt von Ausländern.“ „Den Weissen geht’s auch während des Lockdowns gut. Sie haben Geld und konnten Vorräte anschaffen“. Alles so gelesen und einiges ist ja auch nicht ganz falsch. Ein grosses Thema wird aber folgendes: In Südafrika gibt es das B-BBEE (Broad-Based Black Economic Empowerment). Ein Programm welches den schwarzen bessere Chancen in der Wirtschaft ermöglichen soll. Kurz gesagt, wer die Vorgaben für dieses B-BBEE erfüllen will, muss viel für die schwarzen Angestellten tun und vor allem Quoten erfüllen und mehr schwarze als weisse Mitarbeiter beschäftigen. Schwarze Mitglieder in der Geschäftsleitung haben, Förderungsprogramme durchführen und so weiter. Im Prinzip keine schlechte Idee. Aber natürlich wie immer nur auf dem Papier. Staatsaufträge erhalten oder an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, dürfen nur B-BBEE Firmen. Diese B-BBEE Unternehmen sind auch angehalten nur mit B-BBEE Firmen Geschäfte zu tätigen. Ein weisser Familien-Betrieb hat also keine Chance ein solches Zertifikat zu bekommen und ist von entsprechenden Aufträgen zum vorherein ausgeschlossen.  Negativ gesagt – eine Form von umgekehrter Apartheid. Doch nun wird es wirklich diskriminierend: Regierungs-Hilfsgelder in der Corona-Krise werden gesprochen, Hilfe rasch und unbürokratisch ausgesprochen, allerdings nur an B-BBEE Firmen. Die Aufruhr ist gross, natürlich vor allem bei der weissen Bevölkerung. Wirtschafts-Rassismus, der nun zusätzlich geschürt wird, in dem Weisse aufrufen, nur noch bei Weissen einzukaufen. Alles nach vollziehbar. Wenn man bedenkt, dass die Weissen, bei einem Anteil von 7% der Bevölkerung rund 90% des Vermögens in Südafrika besitzen, muss man kein Ökonom sein um zu realisieren, wer wohl die Wirtschaft am laufen hält oder wieder auf die Beine bringt und somit sehr wohl auch stark unter dem Lockdown leidet. Es könnte schwierig werden. Der Druck wird täglich grösser. Level 3 brächte vieles vom normalen Leben zurück. Auch ein Bier für uns.

Man liest sich!

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