240) Der südafrikanische Weg

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Bei der Covid-19 Bekämpfung soll der südafrikanische Weg erfolgreich sein – welche südafrikanischen Wege es sonst noch gibt – hier im neuen sonntäglichen Blog.

Je länger sich unsere Ernte dem Ende zu bewegt, desto mehr werden wir uns dem Lockdown bewusst. „Der südafrikanische Weg, scheint erfolgreich zu sein“ kann man lesen. Tatsächlich halten sich die Covid-19 Fälle sehr im Rahmen und eine explosionsartige Verbreitung des Virus kann bis jetzt vermieden werden. Der südafrikanische Weg ist streng und hart. Der Preis hoch. Mittlerweile ist wohl jeder zweite Südafrikaner arbeitslos. Es trifft natürlich wie immer die ärmsten und schwächsten zuerst. Die vielen Tagelöhner verlieren als erste ihre Jobs. Nun gibt es Lockerungen und im Gegenzug dafür von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr eine komplette Ausgangssperre. Take-Away-Essen ist wieder erlaubt. Joggen, Biken und Spazieren gehen von 06.00 bis 09.00 Uhr ebenfalls. Viel mehr gibt’s aber noch nicht. Zu zweit dürfen wir nun auch wieder im Auto sein in den Supermarkt vielleicht aber nur alleine. Wir wissen es noch nicht genau. Der Verkauf von Zigaretten und jeglicher Form von Alkohol ist immer noch verboten. Fast alles andere eigentlich auch. Und gerade die Zigaretten und der Alkohol werden immer stärker zum Politikum. Der Finanzminister lässt verlauten, er habe sich gegen das Verbot gewehrt aber im Gremium verloren. Verloren hat dabei auch der Staat. 1.5 Milliarden Rand fehlen seit dem Beginn des Lockdowns vor einem Monat an Tabak- und Alkohol-Steuer Einnahmen in der Staats-Kasse. Eine Kasse die eh schon mehr als leer ist und nun durch den Lockdown noch leerer wird. Alles wurde zum Erliegen gebracht. Im Gegensatz zur Schweiz geht der südafrikanische Weg in meinen Augen einen intelligenten Schritt weiter. Es wurden nicht Läden geschlossen, sondern der Verkauf von allem nicht lebensnotwendigen verboten. Ein kleiner aber feiner Unterschied. So ist in diesem Verbot auch der Online-Handel mit eingeschlossen. Es findet also keine Umverteilung von Läden-Umsätzen ins Internet statt. So ist die Situation wenigstens ein bisschen fairer.

Zigaretten kaufe ich übrigens immer noch. Einfach nicht mehr beim grossen Supermarkt, sondern in einem kleinen Shop, wo sonst eigentlich nur Schwarze Ein und Aus gehen. Flüsternd äussert man den Wunsch in der Hoffnung nicht ertappt zu werden und bekommt dann ebenfalls flüsternd die Produkte-Palette dargeboten. Waren es am Anfang noch normale Zigaretten entdecke ich je länger je mehr Packungen mit rein arabischer Aufschrift. Die sind ganz klar der Steuer vorbei ins Land gekommen. Hier funktioniert der südafrikanische Weg also wirklich nicht.

Südafrikanische Wege sind auch im Zuge von Protesten seltsam. Wird gegen höhere Schul- oder Uni-Gebühren protestiert, zündet man den Campus, den Hörsaal oder die ganze Schule an. Gibt’s an den neuen Tarifen der Eisenbahn etwas auszusetzen, brennen die Züge. Gedankengänge die sehr schwer nach zu vollziehen sind. Unverständlich und nur noch dumm ist aber dies: Ein Restaurant an der Atlantik-Küste verteilt rund 300 Essen in einem Township. Es reicht nicht für alle. In der anschliessenden Nacht brennt das Restaurant bis auf die Grundmauern nieder. Brandstiftung. Ausserhalb von Pretoria stehen die Bewohner eines Townships bis zu vier Kilometer in der Schlange um ein staatliches oder von einer Hilfsorganisation verteiltes Essenspaket zu bekommen. Viele sind mit der Situation unzufrieden und zünden Autoreifen und die Essenspakete an.

Essen-Schlange
Unerträgliche Situation: 4 Kilometer lange Schlange für die Essenspakete

Der südafrikanische Weg mag erfolgreich sein, was die Ausbreitung von Covid-19 anbelangt. Vielleicht ist dies das Wichtigste, denn die Wirtschaft, der Tourismus, die Bevölkerung und der Staat bezahlen einen hohen, sehr hohen und vielleicht sogar unbezahlbaren Preis dafür. Die südafrikanische Fluggesellschaft ist nach Jahren von Milliarden-Zahlungen aus der Staatskasse wohl (endlich) komplett Pleite und dem Untergang geweiht. Bereits jetzt verkündet die Regierung Pläne für eine neue staatliche Airline. In der jetzigen Situation die wohl unnötigste Idee ohne Vernunft. „Ihr bekommt es ja nicht mal hin, eine Buslinie zu führen“, schreibt einer in den sozialen Medien. Ja, vergesst das. Es gibt genug andere und wichtigere Probleme zu lösen. Aber dies ist halt auch der südafrikanische Weg.

Man liest sich!

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