239) Einen Sack Flöhe hüten

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Die Erntezeit ist eine prägende, lehrreiche und anstrengende Zeit. Wie wir sie meistern und welchen Blick sie uns auf eine weitere Seite von Südafrika zeigt – hier im neuen Blog.

„Gell man lernt viel, während einer Ernte. Über die Farm, das Land, die Mentalität, die Arbeiter und natürlich die Frucht“, sagt der Nachbar zu Barbara. Sie ergänzt: „Oja und über sich selber und den Partner.“ Genau so ist es. Erntezeit ist irgendwie eine Ausnahme-Situation. Nie hätten wir das so erwartet, auch wenn wir uns viel vorgestellt und geplant haben. Es kommt bestimmt immer anders. Aber nach der Hektik der ersten Woche, folgten Anpassungen, Änderungen und zum Schluss haben wir die Sache im Griff. So sind nun über 12 Tonnen Oliven geerntet und fast 2000 Liter Öl im Tank. Eingefahren während rund 2900 Arbeitsstunden von unseren Ernte-Helfer und uns. Noch ein klein wenig fehlt und dann ist nach einem weiteren Ernte-Tag die erste Phase beendet. Anschliessend geht’s los mit den Tafel-Oliven. Pflücken, einsammeln, in den Keller tragen, waschen und ab für mindestens neun Monate in die alten Wein-Fässer gefüllt mit Salzlake. Es wird also noch weiter gehen. Alles in allem wohl 6 Wochen Ausnahme-Zustand. Weiter geht auch der Lockdown, wenn auch ab nächstem Freitag in leicht gelockertem Rahmen. Viel mehr als zu Hause bleiben wird allerdings auch weiterhin nicht möglich sein.

Was haben wir alles gelernt in diesen bisherigen gut vier Wochen Ernte-Zeit? Wir sind belastbar, wir können anpacken und wir wissen nach wenigen Monaten als Oliven-Farmer schon sehr viel über die Oliven. Auch den Olijvenhof kennen wir schon sehr gut. Haben mehr oder weniger alles im Griff. Sogar die Arbeiter. Auch wenn sie nach mehr als drei Wochen immer noch für Überraschungen gut sind und am Montag plötzlich schon um 16.40 Uhr die Arbeiter nieder legen. Wir überlegen kurz, etwas zu sagen. Erklären uns den frühen Feierabend aber eher mit logischen Gründen. „Sie waren wohl gerade mit einer Reihe Bäume fertig. Da macht es Sinn keine neue mehr zu beginnen.“ Sagen wir uns gegenseitig. Am Dienstag ist bereits um 16.30 Uhr Arbeitsschluss. Das lassen wir uns natürlich nicht bieten und stellen die Arbeiter am Mittwoch-Morgen zur Rede. „Ach wir dachten es sei um 16.30 Uhr Feierabend.“ Nach fast vier Wochen, dachten sie als plötzlich etwas und verschoben den Arbeitsschluss eine halbe Stunde nach vorne. Es ist wirklich erschreckend. Einen Sack Flöhe hüten ist einfacher. Das einzige was wirklich immer funktioniert sind ihre Pausen. Man kann die Uhr danach richten. Sonst, sammeln wir hinter ihnen her. Ernte-Kistchen liegen auf der ganzen Farm. Leitern haben sie immer weniger. Ganze vier Stück fanden wir in verschiedenen Bereichen der Farm, nur nicht dort, wo die Pflücker am arbeiten waren. Die Sprüh-Flaschen mit Desinfektions-Mittel, welche sie unbedingt benutzen sollten, sind immer gleich voll. Seife auf der Toilette muss nie aufgefüllt werden. Die Handtücher auch nach einer Woche, noch porentief rein. Die Wasser-Eimer um die Hände zu waschen, sind irgendwo auf der Farm. Nichts interessiert sie. Ausser das Wochenende, das selbstgebraute Bier, den Joint und das Geld am Freitag-Mittag. Und genau hier wollen wir sie packen.

Ein kleiner Rest fehlt noch zum kompletten Ende der Öl-Oliven-Ernte. Freitagmorgen, mit einem Schlussspurt wäre dies zu schaffen. „Wenn ihr heute fertig werdet, bezahlen wir euch einen Drittel mehr Lohn als Bonus“, verkünden wir zum Arbeitsstart. „Bekommt ihr das hin?“ fragen wir motivierend nach. „Ach, wir werden sehen.“ Freitags ist normalerweise um 13.00 Uhr Arbeitsschluss. Wir sind gespannt ob sie weiter arbeiten oder nicht. Denkste. Pünktlich treten sie an um ihre Lohnzettel zu empfangen. „He, habt ihr keine Lust extra Geld zu verdienen?“ frage ich sie. „Nein, weißt Du, ich gehe noch in die Stadt“. „Nein, das ist schon ok“, sind die Antworten. Keine Motivation, keine Ziele, kein Interesse und halt wirklich auch nichts im Kopf. Mag hart klingen, ist aber so. Und wer nun denkt, ich schreibe von ein paar pubertierenden jungen Arbeitern. Weit gefehlt. Die Pflücker-Crew ist bunt gemischt. Von 18 bis ins fast schon hohe Alter, Männer und Frauen. Auch das ist ein Teil der südafrikanischen Realität. Und wie Desinteresse und mangelnde Bildung sich auswirkt zeigt unser Mitarbeiter. Mittlerweile erkläre ich ihm Dinge, die er mir Anfang Oktober im Auftrage des Vorbesitzers noch gezeigt hat. Wer nun denkt, Luwellen sei eine Ausnahme. Weitgefehlt, er ist die Regel.

Man liest sich!

 

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