238) Selber Schuld

am

Unser Arbeiter sollte immer bloss eine Aufgabe aufs Mal bekommen und die Ernte wie auch der Lockdown haben uns komplett im Griff. Alles nicht ohne Hindernisse.

Irgendwann fasste ich den Entschluss, ich gebe unserem Arbeiter nur noch eine Aufgabe nach dem anderen. Sonst verzettelt er sich, verliert sich komplett und am Ende des Tages ist alles nicht fertig aber alles auch irgendwie angefangen. Wieso vergesse ich das bloss? Freitagmittag, die Pflücker sind bereits zu Hause und wir sind noch mit dem Pressen der Oliven beschäftigt. Barbara ist dem Feierabend nahe, Luwellen in Gedanken schon lange dort und ich bediene noch die Presse und warte auf die letzten Tropfen Öl. Luwellen drückt sich ein wenig vor dem Waschen der Oliven und möchte den Anhänger und Traktor reinigen gehen. „Nein, zuerst putzt Du noch das letzte Kistchen Oliven.“ Gibt ihm Barbara zur Antwort. Ich bekomme das mit und als Luwellen das letzte Kistchen Oliven in die Presse leert, sage ich ihm, er soll nun die Kübel mit dem Trester aufs Feld fahren und dann könne er noch waschen – zeig mit einer Handbewegung Richtung Anhänger, voll geladen mit den Trester-Eimern und zum Traktor. Es ist ja seine gute Idee die Fahrzeuge zu reinigen. Die Presse läuft immer noch auf Hochtouren und produziert nebst Öl immer noch eine Menge Trester. Mittlerweile gehen mir die Reserve-Kübel aus und Luwellen sollte doch langsam aber sicher zurück sein. „Wo ist der bloss?“ In der Not leere ich einen Kübel als Dünger direkt unter die Bäume, doch Luwellen ist immer noch nicht zurück. „Der wird doch nicht den Anhänger und Traktor reinigen, ohne mir die Kübel zu bringen?“ frage ich mich, als ich mir innerlich schon die Antwort gebe. Tatsächlich, er reinigt die Eimer, den Anhänger und den Traktor. „Luwellen, ich bin doch noch am Pressen, weshalb reinigst du die Kübel? Das haben wir doch noch nie gemacht und zudem weißt Du, wie schnell wir jeweils zurück sein müssen, damit der Trester nicht in den Keller läuft“. „Ja, sorry“, ist seine karge Antwort. Böse bin ich ihm natürlich nicht. Es zeigt einfach, dass selbst logisches denken bei zwei Aufgaben gleichzeitig, verloren geht. Ich wüsste es ja eigentlich. Selber schuld.

Der Lockdown in Südafrika ist verlängert. Die Ausgangssperre läuft noch weitere zehn Tage. Zehn Tage an denen es weiterhin verboten ist zum Beispiel Alkohol zu kaufen. Ein grosses Ärgernis für viele. Die Liquor-Vereinigung klagt den Präsidenten an. „Südafrika ist wohl das einzige Land, das den Präsident wegen Alkohol-Verbots vor Gericht schleppt und die Schliessung von Schulen wortlos hinnimmt.“ Schreibt einer in den sozialen Medien. Es ist wirklich so, dieses Verkaufsverbot von sämtlichen alkoholischen Getränken schlägt hohe Wellen. Alle anderen Richtlinien, nimmt man schweigend zur Kenntnis und befolgt sie konsequent. Anfang Mai werden wohl Schulen und auch öffentliche Verkehrsmittel den Betrieb wieder aufnehmen. Falls sie denn können. Schulen sind während des Lockdowns geplündert und verwüstet worden und die Kupfer-Kabel bei der Metro- und den Zug-Linien geklaut. Es floss kein Strom und so konnte im grossen Stil und ohne Risiko abgeräumt werden. Das ist halt auch Südafrika. Und uns betrifft das alles herzlich wenig. Die Ernte hat uns voll im Griff. Ob Schulen geöffnet sind oder nicht, spielt für uns momentan keine Rolle. Auch ob der Bücherladen, das Kleidergeschäft offen ist oder die Eisenbahn fährt. Egal. Wir haben für nichts ausser der Ernte Zeit. Aber das Feierabend-Bier, das fehlt. Wir hätten hamstern sollen, selber schuld.

Man liest sich!

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