236) Erschöpft und zufrieden

am

Unsere erste komplette Ernte-Woche liegt hinter uns. Erfolgreich, zufrieden und ziemlich kaputt geniessen wir schon fast den Lockdown auf dem Olijvenhof.

Seit Montag geht es schneller voran mit der Ernte. Bis zu 20 Personen stehen nun täglich für uns im Einsatz. 4,2 Tonnen Oliven sind geerntet und damit rund 750 Liter Öl bereits im Tank. Ein guter Ertrag. Auch der Geschmack und die Intensität des Öls gefällt uns sehr. Alles wunderbar. Und es ist kein Ende in Sicht. Noch nicht einmal die Hälfte der Frantoio Bäume sind leer und unsere Erwartungen sind schon fast übertroffen. Doch wir sind geschlaucht. Im Gegensatz zu ganz vielen anderen Farmern arbeiten wir ziemlich aktiv mit und lassen nicht nur arbeiten. Die 4,2 Tonnen sind durch Barbaras und meine Hände gegangen. Mindestens einmal. Aufladen der Oliven in gut 15kg schwere Kistchen. Mit dem Traktor zum Keller fahren. Abladen der Kistchen, wägen, anschliessend waschen und bereitstellen für die Presse. Einfüllen in die Presse und dann entweder das Öl in 15 Liter Kübeln wegtragen oder die Trester-Reste in grösseren Eimern auf den Anhänger hieven und anschliessend auf dem Feld zum trocknen ausleeren. Bester Kompost soll so entstehen. Wenn wir nach 24 Stunden des Ruhens, die 15 Liter-Öl Kübel noch in die grossen Stahltanks leeren ist die Olive zum sechsten Mal durch unsere Hand. Frühestens nach zwei weiteren Wochen des Ruhens im Tank, fliesst die Olive dann ein letztes Mal durch unsere Hand in die Flasche, wird etikettiert und dann zum letzten Mal von uns getragen – zum Kunden.

Natürlich jammern wir nicht. Wir sind hocherfreut über die Ergiebigkeit der Ernte, dem Geschmack des Öls und haben wohl auch zum richtigen Zeitpunkt mit dem Pflücken begonnen. Doch wohl schon seit Jahren haben wir uns das Wochenende nicht mehr so herbei gesehnt wie diese Woche. Nun ist es da und wir geniessen den späten Sommer mit dem faulen nichts tun. Mehr bleibt uns nämlich auch nicht übrig. Der komplette Lockdown ist da. Die Corona-Fall-Zahlen zeigen momentan ein Bild, dass dieser Wirkung trägt. Sind die Zahlen trügerisch? Wir hoffen es nicht. Sind aber wegen der Ernte vom Lockdown nicht wirklich betroffen. Zeit bleibt höchstens um kurz in die Stadt zu fahren zum Einkaufen. Nur einer darf jeweils fahren. Tröpfchen System vor dem Supermarkt, kontrolliert von der Polizei. Mindestabstand in der Kolonne und im Supermarkt nur das erhältlich was es braucht zum Leben. Alle anderen Geschäfte sind geschlossen oder Gestelle im Laden abgesperrt. Kein Alkohol. Das treibt bei unseren Pflückern seltsame Blüten. Die Männer probieren selber Bier zu brauen. Mit Ausnahme von Wasser und Hefe erinnert uns keine Zutat an ein Bier. Eine Frau erklärt jammernd vor allen anderen Erntehelfern: „Ich habe Geld übrig und weiss nicht was damit tun.“ – auch sie bekam letztes Wochenende keinen Alkohol. Geld zu sparen ist scheinbar keine Option. Man lebt im hier und heute.

Seltsam ist auch die Reaktion unseres Mitarbeiters Luwellen. Gleich am Montag bekam er von uns die letzte Verwarnung vorgesetzt. Noch ein Fehler und er ist seine Festanstellung los. „Das könnt ihr so nicht machen, ihr müsst mich vorher mehrmals verwarnen“. „Doch können wir, wir haben es Dir mündlich bereits mehrmals gesagt und alles mit einem Anwalt abgeklärt“. „Oh“, ist seine erstaunte und einzige Reaktion. Und seither? Ist er bestimmt nicht schneller geworden aber er hält sich an sämtliche Regeln, ist pünktlich, pflichtbewusst und zuvorkommend. Diese letzte Verwarnung gilt nun für ein Jahr und er hat scheinbar bloss darauf gewartet. Ob er sein Verhalten auch nach der Aufhebung des Lockdowns und der Wiederverfügbarkeit von Alkohol nicht ändert, wir werden sehen und glauben es nicht. Am Montag geht’s weiter mit der Ernte und ich bin noch nicht sicher ob wir vielleicht nicht doch die eine oder andere Arbeit nun delegieren. Jede Ernte-Arbeit haben wir nun einmal gemacht. Wissen worauf es ankommt. Und können so nun kontrollieren, motivieren und überall nach dem Rechten schauen. Viel Arbeit bleibt auch so noch zu erledigen.

Man liest sich!

 

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Ruoff Mariann sagt:

    Schön zu lesen, dass nun alles so flott läuft!
    Viel Erfolg weiterhin!

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