235) Ernte und Lockdown

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Die Ernte läuft – fast wie es sich gehört, nicht ohne Zwischenfälle und dann ist da noch der komplette Lockdown, der unser Leben beeinträchtigt und noch lange beeinflusst.

Sonntagabend, die meisten Ernte-Vorbereitungen sind abgeschlossen. Unser Nachbar und Stroh-Wittwer Johann kommt zum Braai. Seine Arbeiter werden ab Mittwoch bei uns im Einsatz stehen. Er bringt Listen mit den Namen und den Bankverbindungen vorbei. Doch bevor er eintritt: „Ich muss Euch sagen, ich hatte am Freitag ein Meeting mit jemandem der Tags zuvor ein längeres Treffen mit Amerikanern hatte“. Die Corona-Lage ist also ernst. Wir verzichten auf den Handschlag und verbringen einen unbekümmerten Abend mit Abstand. Die auf Sonntag angekündigte Rede des Präsidenten zur Corona-Lage wird verschoben. Das verheisst wohl nichts Gutes. Bei uns verläuft soweit alles in geregelten Bahnen und wir sind am Mittwochmorgen früh bereit als die ersten Pflücker eintreffen. Einer ist auf der Liste, alle anderen Namen fehlen. „Wir sind von der Farm von Fritz“ erklären sie uns in gebrochenem Englisch. Die Verwirrung ist gross, unsere Telefone laufen heiss und schliesslich ist alles geklärt. Johanns Arbeiter sind auf dem Weg zum Arbeitsamt – „Kurzarbeit“ wegen Corona und so hat nun Johann Fritz informiert und seine Arbeiter aufgeboten. Uns zu informieren, ist so typisch südafrikanisch nicht nötig. Schliesslich sind ja die gewünschte Anzahl Arbeiter pünktlich erschienen. „Was machen sich die Schweizer bloss für Sorgen?“

Die Ernte verläuft plangemäss. Es könnte so typisch schweizerisch alles ein bisschen schneller gehen, aber es läuft. Ein Pflücker wurde noch, wie am Dienstag von der Polizei bei uns vorangekündigt, zu einer Vernehmung abgeführt. Vor allen Pflückern, doch wir merken schnell – die Polizei und die Erntehelfer kennen sich.  Das gehört scheinbar alles ein wenig zum Ernte-Wahnsinn in Südafrika dazu. Auch unser „Zusammen-Schiss“ am Freitag, als die stark nachlassende Ertrags-Menge vom Donnerstag angeprangert wird. Dieser trägt Früchte und am Freitag sind so viele Oliven wie noch nie im Keller, in der Presse und schon bald im Öl-Tank. Alles läuft wie geschmiert, die Presse ist pünktlich und unter vielen Informationen vom Techniker Instand gestellt und in Betrieb genommen worden. Donnerstag und Freitag sind wir selber Herr der Maschine und stolz und glücklich mit dem Ergebnis. Die Tage sind lang, anstrengend und stressig. Alles muss natürlich immer kontrolliert werden, die Presse, die Reinigung der Oliven und der Arbeitseifer der Pflücker. Diese haben am Freitagmittag grosse Sorgen. Es muss ja noch für das Wochenende eingekauft werden. Hauptsächlich flüssiges. Leider auch eine tragische Wahrheit. Für uns unfassbar, verabschiedet sich allen voran auch unser einziger Festangestellter Luwellen ins verfrühte Wochenende. Sein früher Abschied wird bald ein definitiver sein. Anmerkung dazu, einen Angestellten fristlos zu entlassen ist juristisch einfacher, als die im Vertrag festgelegte Kündigungsfrist ein zu halten und normal zu kündigen.

Dass diese verfrühten Abschiede ins feuchtfröhliche Wochenende komplett für die Katze sind, wollen mir die Pflücker nicht glauben. „Lockdown“ heisst es nämlich seit Mitternacht. Und das bedeutet: nur noch eine Person im Auto – vorbei die Zeit von Autostopp für unsere Pflücker. Notfälle natürlich ausgenommen. Kein Verkauf von Alkohol – vorbei mit dem geselligen Zusammensein, kein Verkauf von Zigaretten. Im Supermarkt sind nur noch Lebensmittel oder Lebensnotwendiges zu erhalten. Das Militär und die Polizei kontrolliert. Notfalls auch mit Strassensperren. Fertig Lustig in Südafrika für 21 Tage. Ausgangssperre klipp und klar. Die Angst vor Corona ist gross im Land mit hoher Aids- und Tuberkulose-Rate. „Fair und emotionslos werden diese Kontrollen sein“, sagt der Präsident. Einen kurzen Moment zittern auch wir um unsere Arbeiter. Doch zum Glück ist die Aussage klar – Lebensmittel-Produzenten sind davon nicht betroffen. Weinbauer schon. Die letzten Trauben hängen noch und dürfen nicht gepflückt werden. Ebenso, darf keine Keller-Arbeit vollzogen werden. Viel Wein geht nun kaputt und die Weinbauern müssen tatenlos zusehen. Fertig lustig ist es definitiv. Das weiss wohl nun auch der deutsche Tourist, der trotz positivem Corona-Test, sich auf die Reisefreiheit berief und fröhlich durchs Land tourte. Er sitzt nun im Knast angeklagt wegen versuchtem Mord. Gleiches geschah auch bereits einem Südafrikaner. Die Sitten sind nicht nur während der Ernte härter. Gut so.

Man liest sich!

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