234) Vorfreude auf die Ernte

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Wir sind bereit für die Ernte. Nächste Woche geht’s los. Soweit alles gut, wenn nun nur nicht das Corona-Virus angekommen wäre.

Eine Einigung bezüglich des Zustandes der Presse mit dem Vorbesitzer scheint mehr oder weniger auf gutem Wege zu sein. „Luwellen und ein anderer Erntehelfer haben die Presse nach der Ernte fünf Stunden lang geputzt. So wie die Bilder aussehen, taten sie das nicht richtig.“ So ein Teil seiner versöhnlichen Antwort auf unsere Mail. Es ist halt wirklich so, man kann sich auf keine Arbeiter auf der Farm verlassen. Alles muss kontrolliert und überwacht werden. Sollte ihm als Südafrikaner ja eigentlich bekannt sein. Vielleicht war sein Interesse auch nur noch gering. Für uns wichtig, die Presse ist pünktlich bereit und wir starten am Mittwoch mit der Ernte. Unsere ersten Tropfen selbstgemachtes Öl sind nur noch Tage entfernt. Die Mitarbeiter sind bestellt, „werden am Mittwoch um Acht Uhr erscheinen mit eigenem Traktor und zusätzlichem Anhänger“ – so schrieb gestern Johann unser Nachbar. Der nachbarliche Support funktioniert und wir sind sehr gespannt auf die kommenden Erntetage. „Ich komme dann auch noch vorbei und spreche nochmals mit den Arbeitern“, fügte Johann noch an. Wie schon oft gesagt, es braucht die strenge Hand. Auch nach mehr als vier Jahren in Südafrika immer noch schwer zu verstehen, wie schlecht die Arbeitsmoral, die Loyalität und der Antrieb dieser Arbeiter ist. Schliesslich werden sie gesetzeskonform bezahlt, gut behandelt und vor allem haben sie im Gegensatz zu vielen ihrer Mitmenschen einen Job. Das alles trübt unsere Vorfreude nicht. Eher betrüblich ist aber eine Ankunft der negativen Art.

Covid-19 ist in Südafrika angekommen und das grosses Thema. Eingeschleppt aus Italien, Deutschland und Österreich. Mitgebracht von Südafrikanern aus dem Skiurlaub und wohl auch von Touristen. Die Folgen hier sind spürbar und gleichzeitig zum Glück bereits verständlich drastisch. Gleich als erste Massnahme sind Veranstaltungen, Versammlungen mit über 100 Personen verboten. Restaurants dürfen ab 18.00 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen, am Sonntag ab 13.00 Uhr. Man will wohl Geselligkeit vermeiden. Seit Montag steht am Supermarkt beim Eingang eine Person und sprüht jedem die Hände ein. Einkaufswagen und Körbe werden nach jedem Besucher besprayt. Nach dem Bezahlvorgang greift die Kassiererin wieder zum Desinfektionsmittel. Trifft man sich, bleibt der Handschlag aus und viele weitere Vorkehrungen, die man aus Europa kennt, werden frühzeitig getroffen. Einreise aus High-Risk-Ländern wie unter anderem der Schweiz. Verboten. Ausgesprochene Visas gekündigt. Südafrikaner dürfen nicht mehr ausreisen. Der Flugbetrieb nahe zu eingestellt. Der Tourismus also tot. Was bedeutet das wohl für uns? Erste Restaurants haben angekündigt zu pausieren – darunter Kunden von uns. Gerade noch rechtzeitig haben wir es an den samstäglichen Markt geschafft. Dort werden unsere Produkte verkauft und wir stiessen dazu um unsere neuesten Kreationen – sonnengetrocknete Oliven und unser Salz zu promoten. Spannend war es direkt mit unseren Kunden in Kontakt zu treten, Feedbacks zu erhalten und natürlich Neugierde auf unsere neuen Produkte zu wecken. Uns beschleicht das Gefühl, es war der letzte Markt. Die Vorschriften werden wohl bald strenger. 240 Covid-Fälle sind nun registriert. Wie hoch die Dunkelziffer sein wird? Was wenn das Virus in den Townships ausbricht? Wie werden sich diese Bewohner an Restriktionen halten? Wie gelangen die Information und zwar richtige und keine Fake-News von irgendwelchen Stammesoberhäuptern an die Bewohner? Wie fahren sie in Zukunft zur Arbeit? Weiterhin in überfüllten Mini-Bussen? Wie sollen Menschen-Ansammlungen eingedämmt werden, wenn man zu sechst in Einzimmer-Häuschen lebt? Die infizierten werden täglich mehr – die Zahlen steigen allerdings nicht proportional, sondern es sind täglich einfach plusminus 40 mehr. Falls die Zahlen dann stimmen. Ausser sich an die Vorgaben zu halten, hoffen und abwarten, bleibt uns nicht viel übrig. Droht uns eine Quarantäne, lässt die sich auf 27 Hektaren bestimmt einfach(er) ertragen.

Man liest sich!

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