230) Google-Farming

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Wie ein Aus- und Weiterbildungs-Nachmittag statt zur Überforderung eher zum Nachdenken und Kopf-Schütteln führt. Und weshalb wir schon fast stolze „Google-Farmer“ sind – hier im sonntäglichen Blog.

Der Verband der Oliven-Bauern in Südafrika ist äusserst aktiv und wir profitierten auch schon von ihrer hilfsbereitschaft. Immer mal wieder bieten sie auch Workshops oder Informations-Veranstaltungen an. „Dieses Mal sind die Themen genau die, die uns auch beschäftigen, lass uns hingehen“, schlägt Barbara vor. Gesagt getan. Ich hab ein bisschen schiss davor, überfordert zu sein von all den englischen Fachausdrücken und dem wohl herrschenden Niveau. Schliesslich sind wir ja absolute Farm-Neulinge umgeben von Profis. Südafrikanisch humorvoll bezeichnet sind wir „Google-Farmer“. Wir treffen ein am Veranstaltungs-Ort und sind ganz schweizerisch, die Ersten. Die Letzten werden, ganz südafrikanisch, lange nach dem Eröffnungs-Speach des Präsidenten der Vereinigung eintreffen. Mit dem Thema Düngung geht’s los. Nicht nur Bio-Düngung, sondern gar organische Düngen, ist des Referenten Firma- und Spezial-Gebiet. „Wir müssen immer mehr produzieren und haben nur die gleiche Fläche zur Verfügung“. Dies mehr oder weniger sein erster Satz. „Moment mal, schon mal was von Food-Waste gehört?“ „Oder zum Beispiel vom dünn besiedelten Südafrika?“ Irgendwie traue ich meinen Ohren nicht. Aber ja, er muss natürlich werberisch erklären, was sein organischer Dünger so alles hin bekommt. Der Rest des Vortrages bringt uns überhaupt nichts Neues und wir sind überrascht, was so ein „Google-Farmer“ alles weiss.

Thema Nummer zwei – Schädlingsbekämpfung. „Wenn ihr exportiert, müsst ihr Euch langsam aber sicher mit den ausländischen Richtlinien befassen. Die USA sind ganz streng und die EU zieht immer mehr nach“. Dies so mehr oder weniger sein erster Satz. Um dann gleich mit Satz zwei: „Die wollen mittlerweile ganz genau wissen, mit welchen Produkten ihr eure Oliven bespritzt und welche Stoffe eventuell noch nachgewiesen werden können“. Ich traue jetzt nicht mal mehr meinen Ohren. „Ist das nun neu für Euch Oliven-Bauern im Saal?“ fragen wir uns kopfschüttelnd. „Was um Himmels willen schmeisst ihr in Eure Böden und auf Eure Oliven-Bäume?“ Wir sind fassungslos. Mit einer Grafik verdeutlicht der Pestizide-Verkäufer noch welche Stoffe in welchen Produkten kurz- und langfristig wohl verboten werden. Es sind fast alle. „Glaubt mir, in der nächsten Zeit werden wohl alle Schädlingsbekämpfungs-Firmen mindestens ein biologisches Produkt im Katalog haben“, führt er weiter aus. „Wieso nicht nur noch Bio?“ fragen wir uns. Aufgelockert wird die Vortrags-Reihe, zum Glück von einem Studenten welcher sich mit den verschiedensten möglichen Pilzen an Oliven-Bäumen auseinander gesetzt hat. Mit interessantem, vorläufigen Ergebnis: Die Bäume erholen sich von selber. Allerdings, ist er immer noch auf der Suche nach weiteren befallenen Bäumen um die Studie auszuweiten. Deshalb der Aufruf, sich bei Verdacht bei ihm zu melden. Eine gleiche Aufforderung folgt sogleich von der anschliessenden Rednerin, einer Professorin der Uni-Stellenbosch. Schädlinge, im Besonderen der Olive-Beetle ihr Fachgebiet. Hier kommen wir ins Spiel können wir doch leider immer noch mit dieser Spezies an einigen unserer Bäume dienen. Hocherfreut nimmt sie unser Angebot an und wird uns mit Studenten besuchen, um zu Forschungszwecken Exemplare zu sammeln und unsere Bäume in Zukunft zu beobachten. Denn und jetzt kommts: es ist bis heute noch nicht geklärt, ob der Käfer überhaupt einen Schaden an den südafrikanischen Oliven-Bäumen anrichtet und falls ja, welchen. Angeknabberte Früchte sind kurzfristig ein Problem, aber mehr ist nicht erforscht. Unser Schädlings- und Dünge-Spezialist, welcher beim Vorbesitzer ein und aus ging, erzählte uns ganz was anderes. Gut haben wir ihm schon lange Goodbye gesagt. Es ist wie in anderen Situation. Berater sind in erster Linie Verkäufer.

Es bleibt die erschreckende Erkenntnis, dass es ein halbwegs verlorener Tag war. Und, dass „Google-Farmer“ vielleicht manchmal mehr wissen als man denkt . Leider, leider gilt auch in der südafrikanischen Landwirtschaft: mehr, schneller und noch mehr. Dies ist vielen immer noch wichtiger als Nachhaltigkeit und Einklang. Gut rettete der Vortrag „Dirty Farming“ unseren Tag. Ein Oliven-Bauer, wohlgemerkt mit Gold-Oliven-Öl ausgezeichnet, erklärt seine Prinzipien. Schafe und Hühner leben frei zwischen den Oliven-Bäumen. Er pflanzt Gemüse, Korn und Gräser zwischen den Bäumen und wo auf modernen Obst-Plantagen ausser den Bäumen gar nichts mehr gedeiht, sprüht bei ihm keine Chemie sondern das volle Leben und die Natur in Harmonie. Dies ist ein versöhnlicher Ausklang. So wie wir, den vorherigen Redner ungläubig zuhörten, wird nun wohl der „Dirty Farmer“ von den meisten im Saal belächelt. Schade. Und wieso nennt man seine Art „Dirty Farming“? Schmutzig sind doch wohl all die anderen.

Man liest sich!

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