219) Einer der schönsten Abende

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Wir werden mit einer Einladung überrascht. Wie der Anlass verläuft, welch spezielle und lustige Momente wir dabei erleben – hier im neuen Blog.

Barbara ist im Shop beschäftigt als mich via Whatsapp eine Sprachnachricht erreicht. Eine Nachbarin, uns noch nicht bekannt, lädt uns zu einem „Get-together“ ein. Bereits heute Abend um 18.00 Uhr auf einer anderen Farm. Alle aus unserem Gebiet treffen sich dort und würden sich sehr freuen uns dabei zu haben und kennen zu lernen. Wow – das freut mich natürlich sehr und sofort überbringe ich die Party-Einladung an Barbara. Doch was nun. 18.00 Uhr – wann sollen wir wirklich dort sein? Man hört und erlebt ja so einiges über die Pünktlichkeit der Südafrikaner bei solchen Anlässen. Bringen wir nun unser eigenes Essen mit? Was ist mit den Getränken? Beilagen? Dessert? Wir müssen ja auch noch zu sagen und können hoffentlich all diese Fragen beim Telefongespräch klären. Eine Party-Einladung, wenn auch kurzfristig, freut uns sehr und wir möchten natürlich nichts falsch machen. Als Ausländer stehen wir ja bestimmt genug im „Schaufenster“. Das Telefongespräch bringt Klarheit und die Vorfreude steigt.

So um 18.20 treffen wir auf einer entfernteren Nachbarsfarm ein. Wir sind sogar fast die letzten, obwohl die allerletzten in gut zwei Stunden erst eintreffen werden. Mitgebracht haben wir Wein, rot- und weiss, Teller, Besteck, einige unserer Oliven-Produkte und von Barbara selbstgebackenes Focaccia. Für alles andere ist gesorgt. Die Stimmung ist herzlich und wir werden sogleich vorgestellt und äusserst freundlich willkommen geheissen. Wir sind zwar wohl, mit einer Ausnahme, die jüngsten doch mehr oder weniger sind fast alle in unserem Alter. Abgesehen von den Kindern natürlich. Dazu gesellen sich auch zwei, drei ältere Paare. Eine ältere Dame stellt sich freundlich bei mir vor – auf Afrikaans – und als ich sie bitte englisch zu sprechen, ist sie weg. Spricht sie kein englisch oder will sie nicht? Das soll es nämlich auch geben. Gerade unser Nachbar Nr. 2 Kvivit – soll so einer sein, der partout kein englisch spricht. Doch gerade er besucht uns ja regelmässig, was heute Abend viele erstaunt. Wir geniessen den Abend sehr und lernen viel über unsere Nachbarn, ihre Betriebe und ihr Leben kennen. Wir fühlen uns sehr willkommen.

„Ich sollte langsam mit dem Feuer beginnen“, ruft der Gastgeber und macht sich so gegen Sieben an, mehrere Feuer zu entfachen. Ausser Barbaras Focaccia hat es bis jetzt noch nichts zu Essen gegeben. So soll es scheinbar sein, bei diesen Braai-Abenden in Südafrika. Wein und Bier ist für alle da und man unterhält sich fröhlich. Irgendwann werden die ersten Würstchen gereicht, gefolgt von äusserst leckeren Chicken-Wings. Mit Teller und Serviette bewaffnet geniessen wir diese Leckereien. Ergänzt mit weiterem Brot, ungewöhnlichen Feigen und unseren Oliven. Irgendwie bin ich schon bald satt und ich empfinde das Essen so, äusserst entspannt und ohne Hektik auch nicht für die Gastgeber. Es ist schon kurz vor halb Zehn, die Stimmung ist heiter und man amüsiert sich gerade darüber, dass der Pfarrer immer noch keine Frau gefunden hat und seine Mutter bei ihm wohnt. Scheinbar ist er heute Abend sogar auch hier. Doch unter den mehr als 20 Gästen finde ich so keinen Pfarrer-Typen.

In all den Gesprächen klärt sich übrigens auch noch das frühe Motorrad-Geräusch um fünf Uhr morgens – es war ein weiterer Nachbar auf dem Arbeitsweg, zu einer anderen Farm, welche er bewirtschaftet. Er ist also bestimmt nicht der Benzin-Dieb. (Blog 218) Ich frage mich gerade, ob es wohl bald Dessert gibt oder wie der Abend nach Würstchen und Chicken-Wings noch weiter geht, als man sich im Wohnzimmer versammelt. Der Gastgeber ergreift das Wort, bedankt sich bei allen fürs Kommen und heisst uns nochmals herzlich in der Runde Willkommen. Das Essen ist nun fertig, das Buffet bereit. Der jüngste Erwachsene zückt sein Smart-Phone und beginnt vor zu lesen. Schnell merken wir, es sind Sätze von tiefer Dankbarkeit für alles, was wir in unserer Gegend und in unserem Leben hier haben. „Mein Gott, der Typ mit den längeren Haaren, die Jeans tief-tragend, wie es die „Jugend“ heute so tut, ist der Pfarrer“, leuchtet es mir ein. Spätestens als es darum geht, die Augen zu schliessen, haben wir die Bestätigung. Auch wenn solch religiöse Momente oft zu spezieller Atmosphäre führen – es ist stimmig und wir fühlen uns dabei überhaupt nicht unwohl. Schön, wir sind angekommen in Montagu.

Nun geht’s ans Schlemmen und obwohl eigentlich schon satt, lassen wir uns die Braai-Leckereien schmecken. Kurz danach gibt’s schon Dessert und wir werden genötigt, alle südafrikanischen Süssspeisen zu probieren. So führen wir uns gleich mit jedem Stück, kalorientechnisch weitere komplette Mahlzeiten zu. Eine Stunde später bricht man auf. So langsam der Abend begann, so schnell ist er anschliessend vorbei. Sehr schön war es.

Man liest sich!

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