217) Ärger im Paradies

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Wir erlebten es schon in der Africa-Lodge, nun bereiten uns auch hier die Arbeiter Ärger. Fast zum gleichen Zeitpunkt wie damals. Was es damit auf sich hat und weshalb die Probleme tiefgreifender sind. Jetzt im neuen Blog aus dem OLIJVENHOF.

Unsere Keller-Mitarbeiterin Samantha ist unzufrieden mit uns, wir sind mit ihr allerdings zufrieden. Der Farm-Mitarbeiter Luwellen ist wohl zufrieden mit uns, wir aber nicht mit ihm. Fast auf den Tag genau, wie als wir damals die Africa-Lodge übernahmen und unsere damaligen Mitarbeiter eine Lohnerhöhung verlangten, möchte Samantha unser Mitarbeiterin in der Produktion mit Barbara sprechen. So läuft es wohl nach einer Geschäftsübernahme, die Mitarbeiter warten ein paar Wochen und stellen dann Forderungen. Samantha hat zu wenige Ferientage, zu wenig Lohn und überhaupt hatte sie immer einen Vertrag nur mit uns nicht. Ihr alter Vertrag hat sie allerdings nicht mehr, der sei beim Umzug verloren gegangen. „Wie soll ich meinen Kindern erklären, dass ich so wenig Zeit für sie habe?“ fragt sie uns vorwurfsvoll. Es ist ja jetzt nicht so, dass sie gerade mehr als 100% arbeitet – es sind zwei Tage in der Woche. Ferien hat sie getreu nach dem Gesetz bezahlt zu Gute. Aber es stimmt, einen Vertrag hat sie von uns nicht. Es gibt nämlich auch keinen gültigen mit dem Vorbesitzer und ein wenig mehr Lohn als vorher bezieht sie auch. Dem Frieden zu liebe schreiben wir ihr einen Vertrag und sie nimmt ihn mit nach Hause – sie scheint beschwichtigt. Ist sie aber nicht, wie sie uns am Mittwoch erzählt: „Ich kündige“. Den Vertrag hat sie gar nicht erst unterschrieben. „Ich bleibe aber bis jemand anderes hier ist. Ich suche für Euch auch gerne Ersatz und arbeite diese Frau dann ein.“ Für mich heisst dies eigentlich nichts anderes, als dass sie weiterhin hier sein wird und einfach ein wenig trotzt. Doch wir nehmen das zum Anlass die ganzen Abläufe die wir nun kennen, zu überdenken. Das eine oder andere planen wir sowieso anders. Samantha kann noch ein paar Arbeits-Tage bei uns bleiben. Nachher kann sie wie ausgesprochen, aber vielleicht gar nicht gewünscht, gehen.

Luwellen, der Farm-Mitarbeiter arbeitet seit zwei Jahren hier. Er hat uns alle seine Arbeits-Abläufe und Jobs auf der Farm erklärt und ist nicht der schnellste. Wenn es regnet arbeitet er bekanntlich nicht. Das Wochenende verlängert er gerne mal von sich aus und ohne Information an uns, einfach so. Ferientage hat er nun schon keine mehr, aber das versteht er nicht. Er ist zwischendurch immer noch mit mähen beschäftigt. Er mäht, bis kein Benzin mehr im Kanister ist und meldet dann: „Ich hab kein Benzin mehr“. Trotz mehrmaligem Hinweis, uns doch vor dem leeren Kanister Bescheid zu geben, funktioniert das nicht. Er vergisst es. Diese Woche muss ein wichtiges Teil in der Bewässerung ersetzt werden. Es ist natürlich nicht an Lager und ich gehe es einkaufen. Zurück auf der Farm übergebe ich ihm das Teil, er soll es jetzt einbauen. „Leim brauche ich noch, der alte ist eingetrocknet.“ Aha, wunderbar, dann fahre ich nochmals los. Im Fachgeschäft fragen sie mich noch, ob ich dies und das noch hätte. „Nein, gib mir das bitte auch noch mit.“ Zurück auf der Farm, gibt’s den Leim für Luwellen und tatsächlich sagte er mir noch, dass ihm noch zwei weitere Sachen fehlen. Gut, denkt man wenigstens im Fachgeschäft mit. Für mich war dies schliesslich alles neu. Luwellen spielt kein Spiel, er tut dies nicht mit Absicht. Er versteht es einfach nicht besser. Nichts gelernt und die Schule bestimmt mehr vom vorbei gehen als vom Schul-Besuch gesehen. Seit zwei Jahren arbeitet er hier, vorher arbeitete er woanders und am Samstag wurde er erst 19 Jahre alt.

All diese Erlebnisse bringen uns nicht aus der Ruhe, bloss zum Schmunzeln und vor allem zum nachdenken. Was soll aus Luwellen werden? Er kann nichts anderes, als mähen, die Bewässerung der Bäume einschalten, Unterhaltsarbeiten leisten und all diese Arbeiten auch nur auf Anordnung von uns ausführen. Mitdenken – Fehlanzeige. Mehr kann er nicht und so wird es sein Leben lang bleiben. Englisch spricht er in etwa gleich gut, wie ich Afrikaans. Auch dies ein Zeichen für seine eher kurze Schulzeit. Er wird irgendwann eine Frau finden, heiraten, Kinder kriegen und die werden ihm im Alter Geld zu schieben, so wie er dies schon heute für seinen Vater tut. Und Samantha? Aus irgend einem Grunde im Stolz verletzt. Wir wissen nicht weshalb, kündigt sie um der Ehre willen. Nun sieht sie ihre Kinder zweimal die Woche häufiger. Und wird dann realisieren, dass sie kein Einkommen mehr hat.

Zwei Beispiele nur. Weitere haben wir bereits erlebt und noch viele mehr gehört. Sie sind das Problem dieses Landes. Wer diese Zeilen lesen kann, weil er eben in der Schule war – kostenlos – darf sich glücklich schätzen. In der Schule und Ausbildung lernen wir ja nicht nur rechnen und schreiben. Pünktlichkeit, Pflichtbewusstsein, Mitdenken, Verantwortung übernehmen all dies bleibt hier bei der untersten Schicht auf der Strecke. Und somit sind schon von Anfang an, viele Türen für immer geschlossen. Leider.

Man liest sich!

 

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