215) Das Dilemma mit der Nachbarschaft

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Warum unsere Vorstellungsrunde in der Nachbarschaft anders verläuft als geplant und wie abwechslungsreich die Woche erneut war. Hier im sonntäglichen Blog.

So richtig schweizerisch ist für uns klar, man stellt sich in der Nachbarschaft vor, wenn man neu einzieht. Wir planen, ganz Schweizer Brauch mit Brot und Salz von Farm zu Farm zu gehen und uns vorzustellen. Gehen geht nicht. Wir leben auf dem Land, wir müssen mit dem Auto fahren. Schliesslich sehen wir nur ganz wenige Nachbarshäuser überhaupt vom blossen Auge. Das ist unser Plan. Lucille die erste Nachbarin, lernen wir schon am zweiten Tag auf dem Olijvenhof kennen. Sie bringt unsere Angestellte zur Arbeit da sie auch für Lucille im Einsatz ist. Der erste sympathische Kontakt ist also schnell geknüpft und gleich auch die Telefonnummer ausgetauscht, man hilft sich schliesslich gerne gegenseitig. Nachbar Zwei, ist für uns deshalb wichtig, weil unser Hinweis-Schild direkt an der Route 62 auf seinem Grundstück steht. Doch leider sehen wir ihn nie, wenn wir an seiner Farm vorbei fahren. Die Renovierungen und alle anderen Vorbereitungs-Arbeiten nehmen uns die letzten Wochen arg in Beschlag und irgendwie verschieben wir unsere Vorstellungsrunde, Abend für Abend, Woche für Woche. Und nun ist Eröffnungs-Wochenende.

Freitagmorgen, wir sind gerade am Shop eröffnen als unsere Hunde Alarm schlagen. Kein Auto weit und breit zu sehen oder zu hören. Was ist bloss los? Ein knorriger Alter weisser Mann schleicht ums Haus. „Hello und Welcome in der Nachbarschaft“ schreit er mir zu, gemischt Englisch und Deutsch. Er weiss schliesslich schon von Lucille, dass da Schweizer eingezogen sind. „Ich bin Euer direkter Nachbar und möchte mich vorstellen“. Es ist uns ein bisschen peinlich, schliesslich hätten ja eben wir uns vorstellen wollen. Doch in Südafrika sind Pläne wirklich zum ändern da. Wir haben ein nettes Gespräch mit Kvivit (Schreibweise unbekannt) unserem Nachbar Nummer Zwei. Deutsch hat er übrigens vor langer, langer Zeit in der Schule gelernt. Frage mich immer noch, weshalb man früher in Südafrika Deutsch lernte. Vielleicht wegen dem „deutschen“ Nachbarn, dem heutigen Namibia? Nachbar Nummer Drei lernen wir tatsächlich auf unsere Initiative hin kennen, wir müssen nun zu unserem Schild und deshalb auf sein Grundstück. „Kein Problem“ wir dürfen jederzeit auf sein Land. Mit Olivenöl und Tafeloliven bedanken wir uns für das unkomplizierte Verhalten und sind froh, haben wir uns wenigstens einmal vorstellen können. Jaques und Tienie kennen wir nun auch.

Die Shop-Eröffnung ist mittlerweile vollzogen, eine französische Familie unsere ersten Kunden. Kunde Nr. Zwei ist wiederum Nachbar Nr. Zwei Kvivit schaut schon wieder auf einen Schwatz und einen Einkauf vorbei. Nächste Woche kommt er übrigens gleich wieder, dann mit Freunden welche ihn zu seinem 80. Geburtstag besuchen werden. Tag 1 der Wiederöffnung verläuft reibungslos. Lange nach Ladenschluss fährt noch ein Auto vor. Die Nachbarn Nr. Vier stellen sich selber vor und bringen… „Brot und Konfitüre“ mit, „so wurden wir empfangen, deshalb schenken wir nun Euch Brot und Konfi“, erklären sie uns. Mit Salz und Brot wären wir also der südafrikanischen Sitte ganz nahe gekommen. Doch eben, Pläne sind zum kippen da und die Nachbarschaft kennen wir zum Ende unseres ersten Monats auf dem Olijvenhof nun auch. Alles gut, wie immer.

Das gleiche gilt nämlich auch für unsere schleppenden Projekte. Die Kanister für unser 5 Liter-Oliven-Öl sind gefunden, sogar schon auf der Farm eingetroffen und abgefüllt. Bereit fürs Opening an diesem Wochenende und verkauft sind auch schon einige. Die ökologische Idee von Barbara mit dem vergünstigten wiederauffüllen auf der Farm kommt gut an. Mit dem Traktor Verkäufer sind wir auch endlich im regen Austausch. Er hat uns sogar auf der Farm besucht um uns auf Grund der Begebenheiten richtig zu beraten. Das Auto ist ja schon lange beschriftet, der Drucker hat sogar innerhalb eines Tages die Etiketten für das Special-Eröffnungs-Pesto übertrieben schnell gedruckt. Nur die Tafel an der Strasse ist noch falsch beschriftet – CLOSED – steht da noch gross geschrieben. Grund für die Verzögerung bin allerdings ich alleine. Zum Glück hält das unsere Kundschaft nicht davon ab zu uns zu fahren. Es kommt immer alles gut in Südafrika.

Man liest sich!

 

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