212) Von den eigenen Dimensionen überrascht

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Das Farmer-Leben hat uns vollends gepackt. Wir renovieren, gestalten neu und werden von der Grösse der Farm überrascht.

Es ist Frühling oder schon fast Früh-Sommer. Zeit für die Baumpflege, besser gesagt, für deren Umgebungs-Arbeit. Das Gras und Unkraut zwischen den Bäumen muss gemäht werden. Dies geschieht mehr oder weniger von Hand mit dem Rasentrimmer, natürlich benzinbetrieben und eine laute und ziemlich schwere Maschine. Das Mähen geschieht aus verschiedenen Gründen. Erstens entzieht das Gestrüpp den Bäumen das wertvolle und rare Wasser, zweitens treiben sich im hohen Gras gerne auch Schlangen rum und zudem wird das Gras immer trockener und eine Feuer-Gefahr muss ausgeschlossen werden. „Ich brauche dazu noch einen zusätzlichen Arbeiter, ich habe einen“, sagt mir unser Farmmitarbeiter, Luwellen. „Ok“ sage ich. Ich verstehe, dass man diese mühsame Arbeit lieber zu Zweit erledigt, so geht es logischerweise auch schneller. Am Montag kommt Luwellen mit seinem zusätzlichen Mann. Wohl ein Freund, sind sie doch optisch ziemlich gleich alt. Sie verschwinden mit dem Benzinkanister, ihrem Proviant-Rucksack und den beiden Rasentrimmern auf den entferntesten Hügel unserer Farm. Nach zwei Stunden frage ich mich das erste Mal, was die beiden wohl so treiben. Kein Geräusch zu hören, keine Menschenseele zu sehen. Ich verlasse mich mal auf die Zuverlässigkeit der beiden. Aber irgendwie nicht mit einem guten Gefühl. Immer wieder schaue ich den Hang hoch, suche die beiden mit dem Feldstecher, lausche nach Geräuschen. Nichts. Am Nachmittag wird es mir zu bunt ich schwinge mich aufs Bike und fahre die Plantage hoch. Eine neue Route, ich will nicht an den Bienen vorbei fahren. (Blog 211). Irgendwann höre ich Geräusche, immerhin scheinen sie doch zu arbeiten. Ich komme bei den beiden an und sehe vielleicht dreissig gemähte Meter und zwei ratlose und vermummte Arbeiter. Es ist derart staubig und laut, dass man sich schützen muss. „Das Gras und Gestrüpp ist zu hoch, wir müssen stärkeres Schneide-Werkzeuge verwenden, das geht sonst zu lange“, sagt Luwellen. Das Gefühl habe ich auch, schliesslich bin ich von den zurückgelegten Metern sehr enttäuscht. Zurück bei Barbara sage ich ihr: „Die brauchen so ja einen Monat bis die alles gemäht haben“. Wir entschliessen uns, den früheren Besitzer zu kontaktieren, schliesslich steht er uns gerne mit Rat und Tat zur Seite und hat Erfahrungswerte. Seine Antwort haut uns aus den Socken: „Ja, vier Wochen brauchen die um die ganze Plantage zu mähen.“ Das ist ja unglaublich, zwei mal im Jahr, jetzt im Frühjahr und dann kurz vor der Ernte muss gemäht werden. Das heisst, dass unser Mitarbeiter einen Sechstel seiner Jahres-Arbeitszeit fürs Mähen benötigt. Ungläubig bleiben wir zurück.

Ich lese einen Blog eines Oliven-Bauern in der Toskana. „Zwei bis drei Tage braucht ein geübter Arbeiter um die komplette Plantage zu mähen“. „Siehste“, denke ich. Allerdings realisiere ich zeitgleich, die beschriebene Plantage umfasst 280 Bäume. „Oh, fast 20 Mal weniger Bäume als der Olijvenhof“, so glauben wir nun, dass die 4 Wochen doch wahr und realistisch sind und sind mittlerweile mit dem Fortschritt der beiden beim Mähen sehr zufrieden. Sie kommen zügig voran. Und wenn man bedenkt, dass 5000 Bäume zwei bis drei Meter auseinander stehen, dann ergibt sich doch eine Strecke von bedeutend mehr als 10 Kilometern. Das mäht man nicht so schnell mit einem Trimmer. Wir unterschätzen unsere eigenen Dimensionen masslos.

Natürlich lassen wir nicht nur arbeiten, sondern sind selber ziemlich fleissig und unsere Tage voll gestopft. Renovieren, malen, umbauen, Offerten einholen, Buchhaltung erledigen, produzieren, ausliefern und so weiter. Entsprechend ruhig und kurz sind unsere Abende. Dazwischen legen uns die nun täglich wiederkommenden Stromausfälle Steine in den Weg und benötigen eine zusätzliche Planung. Wir richten den Farm-Shop und das Cottage nach unseren Wünschen her und gleichzeitig läuft das Oliven-Business auf vollen Touren – da kann die Zeit schon mal knapp werden.

Man liest sich!

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Susan und Silvio Daldini sagt:

    Hallo zusammen
    Wir verfolgen Eure Berichte aus Südafrika von Anfang an. Zuerst mal vielen Dank für die Berichterstattung, wir freuen uns jedesmal wenn wir von Euch etwas hören. Wir verbrachten vor fünf Jahren wunderbare und tolle Ferien in Südafrika. Schön dass Ihr dieses neue Abenteuer in Montag angenommen habt, wir wünschen Euch viel Erfolg mit der Farm und dass Ihr all die neuen Herausforderungen meistert.
    Herzliche Grüsse vom Zürichsee
    Susan und Silvio Daldini

    Gefällt 1 Person

    1. Sacha sagt:

      Hallo Susan und Silvio – vielen Dank für Eure Nachricht. Feedback freut uns immer sehr! Und ja, Südafrika ist ein tolles Land und eine Reise, eine weitere lohnt sich bestimmt. Schönen Sonntag und Grüsse vom Kap. Sacha & Barbara

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