211) Das Farmer-Leben und seine Tücken

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Die zweite Woche auf dem Olijvenhof war sehr intensiv, lehrreich, abwechslungsreich und leider auch schmerzhaft. Warum, weshalb und wieso – hier im neuen Blog.

Woche zwei auf dem Olijvenhof. Uns kommt es vor als wären wir schon viel länger hier. So vieles haben wir erledigt, erlebt und gelernt. Das Wohnhaus ist eingerichtet und wir haben es wohl mehr oder weniger im Griff. Wissen nun auch, wie der Gas-Boiler für das Warmwasser richtig funktioniert und eingestellt wird. Wie man den Filter des Trinkwassers reinigt und wie das Bewässerungssystem in unserem Garten funktioniert. Wo früher in der Africa-Lodge ein Kompressor nötig war um den Garten zu bewässern, funktioniert die Wasserversorgung für Haus und Garten wie von selbst. Das Bohrloch welches unser Wasser ans Tageslicht befördert ist clever an einem der höchsten Punkte der Farm platziert. Füllt dort Fässer und gelangt so mit genügend Druck zum tieferliegenden Haus um Dusche, Toiletten-Spülung, sämtliche Wasserhähne und eben auch den Garten zu versorgen. Wirklich toll. Aber ja, man lernt so einiges, wenn das Wasser nicht mehr einfach so aufs Grundstück geliefert wird und nicht wie üblich „einfach so“ heiss wird. Dafür ist es nahe zu kostenlos und wir sind unabhängig. Die Bewässerung der Oliven-Plantage ist dann dafür ganz was anderes.

Hier ist das Bohrloch 250 Meter tief, könnte hunderttausend Liter pro Tag befördern, speist einen Kompressor und schiesst von dort das Wasser mit 700 Bar über die Farm an die richtige Stelle, zur richtigen Zeit. Die Farm ist in sechs Sektoren eingeteilt und jeder dieser Sektoren bekommt zweimal die Woche für vier Stunden Wasser. Gewartet und bedient wird das alles von unserem Angestellten doch wir wissen nun auch, wie das alles funktioniert. Wir sind angekommen im Farmer-Leben. „Als vor 15 Jahren das Bohrloch gebohrt wurde, habe ich als kleiner Bub zugeschaut und heute arbeite ich hier“, erklärt mir Luwallen voller Stolz, als er mir die Funktionen der Bewässerung näherbringt. Er arbeitet schon seit zwei Jahren auf dem Olijvenhof, wir übernehmen ihn gerne und lassen ihn seine Arbeit tun. Er kennt sich auf der Farm aus und seine Erfahrungen helfen uns sehr. Wir haben noch viel vor in den nächsten Tagen und Wochen bis zur Wieder-Eröffnung und sind einfach froh wenn die Unterhalts- und Bewässerungsarbeiten wie gewohnt erledigt werden. Wir glauben, er macht seinen Job gut, ist nicht der schnellste und bei Regen arbeitet er nicht. Das haben wir diese Woche schon gemerkt, aber das ist halt Südafrika und daran haben wir uns schon lange gewöhnt.

Die „Woche Zwei“ führt uns auch zu einem ausgedehnten Spaziergang ins Städtchen. Wir erkunden, was uns alles so hier erwartet, was wir hier kaufen können und vor allem versuchen wir auch heraus zu finden, was es nicht zu kaufen gibt. Es ist eine unserer grösseren Ängste, dass wir für vieles ins 30 Minuten entfernte Robertson fahren müssen weil Montagu einfach zu wenig Auswahl bietet. Zum Glück weit gefehlt und der Stadt Spaziergang zeigt uns auf: hier lässt sich nicht nur sehr gut leben, sondern auch problemlos überleben. Erfreulich und fast schon schweizerisch-dörflich: man grüsst sich. Egal ob Weiss oder Schwarz, das Zusammenleben, das freundliche Zusammenleben scheint hier viel besser zu funktionieren. Schön. Doch viel Zeit zur Erholung bleibt uns nicht. Freie Tage, gönnen wir uns noch keine. Es gibt viel zu tun.

Wir sind direkt im kalten Wasser des Farmer-Lebens gelandet. Der Berater der Dünger- und Insektenbekämpfungs-Firma besucht uns und stellt uns allerlei Fragen. Fragen, welche wir besprechen wollen und erst nach Rücksprache mit Vorbesitzer und Lektüre von Fachliteratur beantworten möchten. Farmer-Leben heisst zum Glück auch Offerten erstellen, produzieren und ausliefern. Das Business läuft bereits ab der ersten Minute auf dem Olijvenhof. Schneller als wir uns das erträumt haben.

Wenn auch keine ganzen freien Tage – gönnen wir uns doch jeden Tag nach Feierabend, Momente mit Fynn und Ziva. Die Farm entdecken, Vögel jagen und viel neues Beschnuppern beschäftigt die zwei täglich beim Spaziergang. Einmal auch per Fahrrad.

Bikestrecke zum Gipfel
Unsere neue Bike-Strecke auf dem Olijvenhof

Zum höchsten und besten Aussichts-Punkt wollen wir radeln. Zum ersten Mal Fahrrad fahren mit Fynn und Ziva. Zum ersten Mal „biken“ in Südafrika. Die Fahrräder standen vorher vier Jahre lang still. Die Idee gut, das Erlebnis nicht so. Wenige Minuten sind vorbei, als ich eine schreiende, springende, rennende und leicht panische Barbara vor mir sehe. „Bienen, Bienen, Bienen. In meinen Haaren, sie fliegen nicht weg, sie stechen mich“, höre ich sie. Helfen kann ich irgendwie nicht. Sie springt und rennt, fällt über das Fahrrad. Irgendwann sind wir genug weit weg und alles beruhigt sich. Drei Stiche mindestens. Die Bienen wohnen übrigens auf der Farm, irgendwer betreut das Volk, wer, finden wir noch raus, wenn er dann hier aufkreuzt.

Bienenstich mit Folgen

Die Spuren die die Bienen bei Barbara hinterlassen sind eindeutig. Die Natur scheint rauer in der kleinen Karoo. Doch uns gefällt es, trotzdem.

Man liest sich!

 

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