166) Black Friday

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Wie der Black Friday die Leute zum durchdrehen brachte und weshalb es nicht so schlimm ist, dass die Abstimmungsunterlagen aus der Schweiz, den Weg in Südafrika nicht finden – alles im neuen Blog.

Wie so vieles aus den USA gibt’s auch den Black Friday in Südafrika. Während letztes Jahr die meisten Geschäfte um 06.00 Uhr öffneten, ging es diesen Freitag schon um Mitternacht in der grossen Mall los. Entsprechende Videos kursieren im Internet, wie hunderte versuchen gleichzeitig in ein Geschäft zu gelangen. Ohne Rücksicht stösst man andere in den Rücken und klettert über gestürzte Menschen hinüber. Wirklich schlimme Bilder. Entsprechend rüde geht’s auch in den Kommentar-Spalten zu und her. Auffällig, man sieht keine Weissen. Die können es sich vielleicht auch leisten auf die Rabatte zu verzichten. Pro Kopf wird in Südafrika am Black Friday gleich viel Geld ausgegeben wie in der Schweiz. Eine verrückte Zahl, wenn man bedenkt wie viel schlechter die Kaufkraft hier am Kap ist – sie ist etwa drei bis vier Mal schwächer. So gerechnet wurden am Freitag rund 400 Franken pro Kopf ausgegeben. Von Leuten die eigentlich gar nicht viel Geld haben. So werden die Bilder und Videos plötzlich von lustig zu betrübend und nachdenklich stimmend. Wie viel unnötiges wurde wohl gekauft? Wie viele Lebensmittel vergammeln nun, weil man vor lauter Rabatten übertrieb? Das Konsumverhalten der Menschen ähnelt stark dem der USA, leider auch das Verhalten bezüglich Kreditkarten und dem Leben auf Pump. Doch auch hier verspürt man Widerstand gegen den Black Friday. So stand am Freitag vor einem Restaurant/Bar in Stellenbosch dieses Schild:

Oppie Dorp

(Foto: Oppie Dorp, Stellenbosch)

Wenn ich letzte Woche schrieb, dass sämtliche Staatsbetriebe von der Korruption zerfressen sind, dann gehört dazu auch die Post. Früher bekamen wir noch regelmässig Briefe zugestellt, heute wohl noch knapp einmal pro Monat, dann dafür gerade einige. Auf die Abstimmungsunterlagen für den Schweizer Urnengang im September, warten wir noch heute. Man bedenke, dass diese Dokumente sicherlich ende August die Schweiz verlassen haben, bis heute schafften sie den Weg aber nicht bis zu uns. Die Unterlagen für den aktuellen Urnengang werden wohl erst nächstes Jahr eintreffen. War ich in der Schweiz noch regelmässiger und pflichtbewusster Abstimmer oder Wähler, so vermisse ich diese Tätigkeit in Südafrika nicht mehr so sehr. Es ist natürlich ein Bürger-Recht an die Urnen gehen zu dürfen, aber wir bezahlen keine Steuern mehr in der Schweiz und deshalb bin ich immer ein wenig zweigeteilt, ob ich diese Mitsprache im Ausland wirklich noch wahrnehmen darf oder soll. Manchmal hab ich auch ein bisschen das Gefühl „nicht Spieler, Maul halten.“ Und wenn ich dann noch Stammtisch-Parolen-Gespräche höre von Ausland-Schweizern, welche ausrufen, dass sich die Schweiz endlich auf sich besinnen soll, sich vom Ausland nicht bestimmen lassen darf und endlich nicht mehr so viele Flüchtlinge und Ausländer aufnehmen soll, dann bin ich froh, dass wohl auch diesen Schweizern die Unterlagen für den Urnengang zu spät zugestellt werden. Wie kann man in einem liberalen, offenen Land, notabene als Ausländer leben, und für die Heimat das komplette Gegenteil fordern? – eben halt doch: „Nicht Spieler, Maul halten.“ Leben im Ausland verändert den Blick auf die Schweiz, die Sichtweise im Leben und wohl auch den Auswanderer selbst. Eine Frage sei mir erlaubt: „Wieso ist es nach über einem Jahrzehnt sicheren Online-Bankings noch nicht möglich, Online abzustimmen oder zu wählen?“

Man liest sich!

 

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