153) Street Trade – Fair Trade?

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Der Winter zeigt diese Woche alle Gesichter – sonnig und angenehm warm bis Regen und „eisige“ Kälte. Trotzdem bleibt Zeit für Gartenarbeit – Rasenausbesserung mit Hehlerware?

„Hütten-Romantik mit Lagerfeuer“ und Raclette-Abend wechselt sich diese Woche mit Sonnenschein und Liegestuhl-Feeling ab. Der Regen tut unserem Garten und natürlich generell unserer Region gut. Leider hat der Rasen den einen oder anderen Schaden aus dem Sommer davon getragen, der auch trotz Niederschlag nicht heilt. Die Trockenheit, der permanente und intensive Sonnenschein sowie das rauhe Spiel von Ziva und Fynn setzten dem Rasen zusätzlich zu. So will ich einige Flecken durch neuen Roll-Rasen ersetzen. Insgesamt wohl fünf bis sieben Quadratmeter. Ephraim, unser Gärtner, kann das und hat sogar Erfahrung darin. Nun soll der Roll-Rasen organisiert werden. Es gibt hier in Südafrika verschiedene Rasenarten und unserer ist zum Glück nicht ganz selten. So sind die wenigen Quadratmeter schnell aufgetrieben. Nicht beim Fachhandel, für den wäre die Fläche zu klein, nein, der Rollrasen wird an der Strasse gekauft. Ganz in der Nähe bei uns, entsteht immer mehr wieder ein kleiner Markt. Ein fliegender, Weisser Kaffee-Verkäufer steht in den frühen Morgenstunden dort und verkauft frisch gemachten Kaffee in den Morgenverkehr, direkt ins Auto. „Lekker“ soll er sein, wird auf Facebook für ihn geworben. Daneben verkauft ein Schwarzer Blumen, eine Weisse allerlei Früchte und eben immer mal wieder wird Rollrasen von Schwarzen angeboten.

Im dritten Anlauf hab ich Glück und es wird nicht nur Rasen verkauft, sondern auch der für uns passende. Schnell ist der Deal gemacht, der Rasen ins Auto geladen und zurück in der AFRICA-LODGE. Ephraim tut seine Arbeit und alles wird hoffentlich gut und grün. Doch habe ich Hehlerware gekauft? Woher kommen diese knapp einen halben Quadratmeter grossen Stücke? Sind sie geklaut? Oder und das trifft wohl zu, übrig geblieben bei einem Einbau auf einem grossen Grundstück? Damit wurde er zweimal verkauft, einmal an den ersten Kunden und anschliessend noch an mich. So wird es wohl sein. Käufe bei Strassenhändler können heikel sein. Viele Schwarze verkaufen Früchte oder Gemüse an grossen Strassenkreuzungen. Woher haben sie die Früchte, das Gemüse? In unserer Gegend gibt es praktisch keine Farmen die von Schwarzen bebaut werden. Haben sie die Früchte als Lohn bekommen oder doch eher geklaut? Man liest immer wieder von solchen Diebstählen. Alle Früchteplantagen sind eingezäunt. „Der Zaun muss einfach höher und sicherer sein, als der des Nachbarn“ sagte mir mal jemand.

So ist dieser entstehende „Markt“ in unserer Nähe, für mich ein grosses Sinnbild für Südafrika. Der weisse Kaffee-Verkäufer, der um jeden Rand kämpft und sich, als Cafe-Inhaber nicht zu schade ist, jeden Morgen in aller früh in der Kälte zu stehen und zusätzlichen Umsatz zu generieren. Der Schwarze Blumen- oder eben Roll-Rasenverkäufer, der bei mir halb illegale Gefühle weckte. Und die weisse Farmers-Frau, die jeden und zwar wirklich jeden Tag dort steht und ihre kleinen Erträge von ihrer Farm verkauft. Acht Stunden steht sie dort, irgendwann müssen die Früchte, das Gemüse und die Blumen die sie auch noch ab und zu anbietet, gepflückt werden. Ihr Leben besteht wohl nur aus Arbeit. Das ist Südafrika, die meisten kämpfen Tag für Tag um ihr finanzielles Überleben und gegen Vorurteile – ob Schwarz oder Weiss.

Man liest sich!

 

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