148) Herrliche Wintertage und 100 Jahre Madiba

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Die Müllabfuhr kam wieder, die Gäste sind abgereist und wir renovieren weiter. Die Woche war abwechslungsreich und 100 Jahre „Madiba“ wurde gefeiert oder auch nicht.

Die Müllabfuhr ist wieder gekommen. Mindestens bei uns. In anderen Gebieten wartet man scheinbar seit mehreren Wochen auf die Abfuhr. Bei uns wäre sie auch letzte Woche noch gekommen, angeblich wurde das verpasste nämlich am Freitag oder Samstag nachgeholt. Doch wer lässt schon so lange die Tonne draussen stehen? Eifrige Bürger haben bereits bei der Stadt nachgefragt, wie das nun weiter gehen soll. Es wird Besserung versprochen, ab nächster Woche sollen mehr Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Man muss wohl immer intervenieren, von alleine geschieht nichts. Nachdem wir fröhliche Stunden mit unseren Winter-Gästen verbrachten, ist die AFRICA-LODGE nun zurück im Winterschlaf. Wir nicht. Alle Holz-Bauten brauchten einen neuen Anstrich – die Sommersonne trocknet alles unglaublich aus. Die Wintersonne auch, denn die scheint unaufhörlich und bereitet uns einen milden Winter. Nächste Woche gibt’s vielleicht wieder einmal Regen. Gut wäre es nach wie vor.

Südafrika feiert – 100 Jahre Madiba, wie Nelson Mandela hier liebevoll genannt wird. Am Mittwoch wäre er hundertjährig geworden. Ein Feiertag war es nicht, die Region Kapstadt hat scheinbar schon zu viele Feiertage. So war der Mittwoch nicht arbeitsfrei. Es beschleicht mich auch das Gefühl, dass viele gar nicht mehr so sicher sind, ob es viel zu feiern gibt. Die deutschsprachigen Medien bejubeln Mandela auf jeden Fall spürbar mehr, als es hier unten getan wird. Resignation ersetzt den Traum der grossen Regenbogennation. „Gleiche Rechte für alle“ und „vor dem Gesetze sind alle gleich“ – diese ur-liberalen Werte sind heute enorm unter Druck in Südafrika. So findet die Heroisierung von Mandela vor allem im Ausland statt. In den Augen vieler verpasste auch er Chancen, Südafrika von Anfang an in bessere Bahnen zu lenken. Die Korruption, vor allem innerhalb „seiner“ Partei, dem ANC, erhielt immer zu viel Spielraum. Mandela versäumte es auch einen starken Nachfolger aufzubauen, der einst in seine grossen Fussstapfen hätte treten können. Und dann beendete er selber, nach nur einer Amtszeit als Präsident, die Ära Mandela ganz alleine, obwohl er natürlich problemlos wiedergewählt worden wäre. Die grossen Probleme Südafrikas kamen so erst unter seinem Nachfolger Mbeki zu Tage. Und das schlimme Chaos begann anschliessend mit neun Jahren Regierungszeit von Zuma. Nun ist mit Ramaphosa der Mann an der Macht, welcher Mandela eigentlich als seinen Nachfolger bereits vor langer Zeit im Auge hatte. Doch dieser war damals schlicht noch zu jung.

Eines bleibt aber bestimmt bestehen, als grosses Erbe von Madiba – nur seiner Versöhnungspolitik ist es zu verdanken, dass Südafrika nach dem Ende der Apartheid nicht im Bürgerkrieg verelendete. Diese, in meinen Augen unglaubliche Leistung, kann man nie zu stark bewundern und würdigen. Man stelle sich einfach vor, dieser Mann war über 10’000 Tage seines Lebens in Haft – meistens in einer Zelle mit 4 Quadratmetern. Endlich in Freiheit, predigt er nicht Rache, sondern Versöhnung. Unglaublich. Doch glücklich und zufrieden mit dem heutigen Südafrika wäre Mandela bestimmt nicht.

Man liest sich!

 

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