144) Südafrika wie geht es Dir?

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Die ersten 100 Tage des neuen Präsidenten im Amt, ist für Journalisten ein Grund für eine erste Analyse. Ich schaue auch mal ins Land.

Die Post in Stellenbosch ist scheinbar immer noch geschlossen. Unsere wurde für einige Wochen nicht mehr zugestellt. Aufgefallen ist uns dies nicht. Die Briefpost ist eher am Aussterben und Briefe selten. Plötzlich kamen dann doch einige Briefe auf einmal. Die Post war für fünf Wochen mehr oder weniger ausser Betrieb. Die Pöstler konnten die Post nicht sortieren, denn die Verteilmaschine lief nicht weil die Stromrechnung nicht bezahlt wurde. Dunkel war es im Post-Office also auch noch. Wenn die Post sonst mal wieder nicht kommt, kann es auch an den Fahrrädern liegen. 12 Zustellbeamte teilen sich hier vier Fahrräder. Eine Partner-Fluggesellschaft der staatlichen South African Airways (SAA) ist seit Tagen gegroundet – kein Geld mehr. Die SAA wiederum fliegt schon seit Jahren nur noch dank grosszügigem Zustupf aus der leeren Staatskasse. Polizisten wiederum können kaum auf dem Schiessstand den Umgang mit der Pistole üben, sie haben schlicht zu wenig Munition. Das Geld ist zu knapp. Schiessen kann ein Polizist aber auch nur, wenn er überhaupt eine Dienstwaffe hat. Fast 3000 Pistolen werden vermisst. Verkauft von den Polizisten an Gangster um ihren schlechten Lohn ein wenig aufzubessern.

Bereits zehn korrupte Minister hat der neue Präsident entlassen und ausgetauscht. Einige klammern sich noch immer an ihren Sitzen fest. Nicht zum Wohle des Volkes, sondern um zu verhindern, jemals angeklagt zu werden. Bis heute ist noch kein einziger der ehemals regierenden Diebe angeklagt worden. In wichtigen Ämtern und an der Spitze von Provinzen sitzen noch immer viele korrupte Kumpane des ehemaligen Präsidenten. Der amtierende Staatschef muss die Partei zusammenhalten, sonst droht ihr eine Aufsplittung und der umgehende Machtverlust. Und trotzdem – der Polizeichef wurde bereits ausgewechselt, sämtliche Aufsichtsräte der vier grössten Staatsbetriebe komplett ausgetauscht und einige korrupte Provinz-Politiker wegbefördert.

Man kann also sagen, es passiert viel. Und doch, eigentlich sind das erst Aufräumarbeiten der miserablen Politik vergangener Jahre. Wie nötig dieses Reinemachen ist, zeigen meine Beispiele am Anfang. Doch voran geht’s so noch nicht. Diese Schritte waren unumgänglich, wenn sie auch der armen Bevölkerung noch nichts Spürbares brachten. Diese protestiert und protestiert. Reifen werden angezündet und der Morgenverkehr komplett zum Erliegen gebracht. Viele, viele kommen so zu spät zur Arbeit oder gar nicht. Vorallem die schwarze Bevölkerung leidet darunter. Diese fahren mit den Bussen (die Busfahrer streikten gleich auch noch) aus den Townships in die Stadt. Gerade sie verlieren dann aber häufig wegen Zuspätkommens sofort ihre Jobs. So treffen diese Streiks und Proteste fast nur die Ihresgleichen. Und vor allem, ihre Situation wird sich mit Sachbeschädigungen und Plünderungen nicht bessern. Zudem sind es immer die kleinen Läden der Schwarzen in den Townships die sie auseinander nehmen. Denn bei vielen Läden der Weissen steht Sicherheitspersonal und das sind dann immer Schwarze.

Schwarz und Weiss ist halt noch immer nicht so farbig, wie es sich die Regenbogennation gerne wünscht. Und doch: zum allerersten Mal ist nun im weissen Sport, dem Rugby, ein Schwarzer Kapitän der Springboks. Es gibt halt immer schöne Zeichen für Besserung. So steigen auch die Dämm-Pegel kontinuierlich. Der Winter besucht uns diese Woche intensiv. So wie die Dämme steigen, nimmt unsere Holzbeige vor dem Haus stetig ab. Regen, Kälte und starker Wind machte uns diese Woche zu fast kompletten Stubenhockern. Und wie sagte unsere Hunde-Futter-Lieferantin bei strömenden Regen dazu: „What a lovely Day!“. Vieles ist anders in Südafrika. Daran haben wir uns gewöhnt und lieben unser neues zu Hause trotzdem oder gerade deshalb.

Man liest sich!

 

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