142) Unser Gärtner der Fahrrad-Mechaniker

am

Selbst ist der Mann, das gilt für uns und auch für unseren Gärtner. Was wir mit der Freizeit anstellen und wie erfolgreich unser Gärtner als Fahrrad-„Flicker“ ist, im neuen Blog.

„Bevor ich nach Hause fahren kann, muss ich noch mein Fahrrad reparieren“, sagt mir unser Gärtner. Tatsächlich, die Nabe des hinteren Rades wackelt ein wenig. „ich würde so versuchen nach Hause zu fahren“, sage ich ihm. Er möchte aber etwas probieren und das Rad bzw. die Schrauben an der Nabe umdrehen und schauen ob das funktioniert. Ein bisschen viel Aufwand denke ich, zumal das Rad so noch fahren würde und er sowieso nochmals zum Fahrrad-Geschäft muss. Er ist nämlich mit der letzten Reparatur nicht zu frieden. Erstaunlicherweise er hat das eine oder andere Werkzeug für die Fahrrad-Reparatur dabei und demontiert bereits das Hinterrad. Weitere Werkzeuge gebe ich ihm und schaue gespannt zu. Ich fühle mich ein wenig an die Mittwoch-Nachmittage in der Kindheit zurück versetzt, als wir auch immer irgendwas zu schrauben hatten. Gespannt schaue ich ihm zu, vielleicht kann ich ja noch was lernen. Die Handgriffe sitzen, denke ich. Doch dann, Kugellager eins, löst sich auf und Kügelchen um Kügelchen kullert über unseren Hausplatz. So fachmännisch ist das Ganze vielleicht doch nicht. Ich helfe ihm beim Kugeln suchen und wir finden acht, „es müssen aber neun sein“, sagt er. „Weißt Du das so genau?“, frag ich ihn. „Ja, ich mache das nicht zum ersten Mal, in der Heimat hab ich meinem Vater oft geholfen, er hatte eine Fahrradwerkstatt. Ausser Speichen richten, kann ich alles an einem Fahrrad reparieren.“ Meine Achtung vor dem was er da gerade tut steigt und ich bin zuversichtlich, dass er das wirklich alles wieder hin bekommt. Gerade in dem Moment löst sich Kugellager Nummer zwei auf. Viel mehr Kugeln als vorher, dafür viel kleinere kullern wieder über unseren Hausplatz. Wir finden viele, ob das alle sind? „Das müssen 27 sein“, sagt er und klaubt aus seinem Rucksack Vaseline. Wofür die wohl gut ist? Er streicht sie dorthin, wo die Kügelchen wieder hin müssen und so kleben alle schön am richtigen Platz und geschmiert ist das alles auch noch. Ich bin wieder beeindruckt. Nach fast einer Stunde ist alles wieder so wie es sein soll, sein Plan ist zwar gescheitert, doch er sagt nun, es sei besser als vorher. So ganz schlau werde ich nicht, doch er fährt vom Platz. Alles scheint gut.

Am Donnerstag ist der Gärtner wieder bei uns. Pünktlich um Acht lass ich ihn hinein. Er hat ein anderes Fahrrad dabei. Ausgeliehen von seinem Bruder, sagt er mir. Seines ist in der Werkstatt, nach dem Selbst-Reparatur-Versuch kam er gerade mal 100 Meter weit, danach war das Hinterrad komplett blockiert. Er musste das Fahrrad eine halbe Stunde tragen bis er in der Werkstatt war.

So verschieden sind unsere Welten also gar nicht. Auch wir probieren in Südafrika immer zuerst alles selbst zu reparieren oder zu organisieren. Klappt das nicht, dann und erst dann wird der Fachmann gerufen. Interessant dabei, in der Schweiz war der Griff zum Telefon und damit zum Fachmann immer oder fast immer das Erste. „Weiss Dir immer selbst zu helfen“, ist wohl einer der wichtigsten Auswanderer-Tipps, egal woher man kommt.

Selbermachen ist auch für uns wieder Trumpf. Eigenes Biltong haben wir bereits im letzten Winter zum Zeitvertreib hergestellt – auch dieses Jahr nutzen wir die Freizeit dafür und das Ergebnis lässt sich sehen.

Man liest sich!

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s