131) Entschädigungslose Landenteignung

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Politisch ist die Zeit gerade turbulent. In der AFRICA-LODGE ist aber ruhig, trotz Hochbetrieb und Bau auf dem Nachbarsgrundstück. Die Woche im Rückblick im Blog.

Die Regierung möchte die Verfassung ändern und die „entschädigungslose Landenteignung“ in dieser nieder schreiben. So soll weisses Farmland an den Staat fallen, damit anschliessend Schwarze dieses bebauen. Wohin das führt hat Zimbabwe leider eindrücklich bewiesen. Noch immer ist der grosse Teil der südafrikanischen Farmen in Besitz der Weissen, während vor allem die Schwarzen in Armut leben. „Die Zeit der Versöhnung ist vorbei, wir müssen die Würde unsere Volkes wiederherstellen, ohne die Verbrecher zu entschädigen, die unser Land gestohlen haben“ begründet der Anführer der linksradikalen EFF Partei den Antrag und der ANC unter dem neuen Präsidenten zieht nun mit. Randnotiz dazu: Der EFF-Anführer Malema gehört dem Stamm der Zulu an. Diese wiederum sind im 17. Jahrhundert, mehrheitlich aus dem Kongo kommend, in Südafrika eingewandert und haben Ländereien erobert. Er ist also ähnlich „fremd“ wie die Weissen. Doch ja, es muss wirklich etwas geschehen. Die Armut, die Arbeitslosigkeit muss endlich bekämpft werden. Doch auf welchem Weg? Ist es nicht auch so, dass seit dem Ende der Apartheid, also seit 27 Jahren, die Schwarzen das Sagen haben im Land? Und trotzdem steigt die Armut unter den Schwarzen am meisten? Natürlich geht’s den Weissen in Südafrika besser. Natürlich sind sie auch nach Ende der Apartheid mit einem grossen Vermögensvorsprung ins „Rennen“ gestiegen. Aber seither werden sie benachteiligt. Weisse bekommen keine Jobs mehr in staatlichen Betrieben, Weisse werden mittels Quotenregelungen an Universitäten unterdrückt und trotzdem versorgen die weissen Farmer das ganze Land mit Nahrungsmitteln, exportieren in die weite Welt und leisten so einen wichtigen Beitrag an die Wirtschaft.

Und trotzdem – ja, es muss wirklich was geschehen. Konfuzius sagte: Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“ Doch nun will man diesem Mann ohne Vorahnung einen See schenken ohne ihm das Fischen beizubringen? Man wird doch nicht einfach so Gross-Farmer. Die Statistik belegt, fast keine „schwarze Farm“ produziert etwas für den Verkauf, maximal für den Eigengebrauch. Es fehlt am Wissen und vor allem an der Bildung! Schliesslich bin ich auch nicht Architekt, nur weil mir jemand Ziegelsteine schenkt.

Doch bis es überhaupt zur „entschädigungslosen Enteignung“ kommt, ist es ein weiter Weg. Eine Verfassungsänderung geht auch in Südafrika nicht so einfach. Vieles ist wohl auch Wahlpropaganda des neuen Präsidenten. „Die Ertrags-Sicherheit der Farmen muss gewährleistet bleiben“, liess er zum Beispiel verlauten und lässt sich ein Hintertürchen offen. Auch die Banken schreien auf. Viele Millionen-Kredite sind im Umlauf für die Landwirtschaft und diese gingen verloren. Eine solche Verfassungsänderung würde Südafrika um Jahrzehnte zurückwerfen und das Land komplett ruinieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das zulassen wird. Zudem steht auch in der Verfassung, dass niemand bezüglich Rasse benachteiligt werden darf. Und Südafrika hat die Menschenrechtskonvention unterschrieben und würde diese damit brechen. Ich frage mich auch, wer würde denn dieses Land von den Weissen bekommen? Der arme Bettler, der bei uns an der Kreuzung steht? Oder der, der täglich in den Townships seine eigenen Nachbarn beklaut, um etwas zu Essen zu haben? Oder vielleicht doch eher der verdienstvolle Partei-Getreue-Politiker?

Ruhe trotz Bau

Auf unserem Nachbarsgrundstück hat nun der Bau von zwei Einfamilienhäusern begonnen. Wer jetzt denkt, unsere Gäste werden vom Lärm geplagt, der täuscht sich sehr. Handarbeit ist angesagt. Unglaublich wie viele Arbeiter sich diese Woche auf der Baustelle tummelten. Zuerst wurde von vier Leuten der komplette Grundriss auf den Boden gezeichnet. Es sieht aus wie Bauen nach Malen. Dann kam der Bagger um das Fundament auszuheben. Drei Arbeiter mit Schaufel und Pickel unterstützen ihn. Einer mit Massband kontrollierte immer wieder Tiefe und Breite. Und „Arbeiter“ Nummer sechs kontrolliert einfach alle und sass mehrheitlich in seinem steinalten Mercedes im Schatten. Nun wird von Hand das Fundament gegossen und anschliessend beginnt das Mauern. Wir sind natürlich froh, ist der Bau hier noch Hand- und nicht Maschinenarbeit und geniessen die Ruhe und den Sommer.

Man liest sich!

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