127) Mangelndes Vertrauen

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Unwissen, mangelndes Vertrauen in die Medien und die Regierung. Dies alles im Zusammenhang mit der Wasserknappheit und weshalb es sich doch immer noch lohnt, Südafrika zu bereisen. Alles im neuen Blog.

Es gibt in unserer Nähe zwei Dämme. Der eine ein bisschen Grösser als der andere. Beide aber verhältnismässig klein, doch voll mit Wasser. Fast täglich werden Bilder der Dämme, aus der Luft oder auch direkt vom Ufer fotografiert, auf Facebook gepostet. „Die Dämme sind ja voll, was wird uns bloss erzählt?“ so oder so ähnlich sind dann jeweils die Bildüberschriften. Schnell kommen die ersten Kommentare, dass diese Dämme eben für die Stromerzeugung gebraucht werden und somit immer mehr oder wenig voll sind und auch voll bleiben. Wir wissen das seit zwei Jahren. Hinzu kommt, dass diese Dämme, wenn sie ans Wassernetz angeschlossen wären, in einem halben Tag leer wären. Zwei Dinge fallen mir auf: Die Mehrheit der Menschen beginnt sich also erst jetzt mit dem Thema Wasser auseinander zu setzen und zweitens: Man glaubt nicht, was einem die Regierung erzählt und man glaubt auch nicht, was in den Medien verbreitet wird.

Mein Lieblingsradio-Sender oder einfach der, der immer im Auto läuft, ist scheinbar extrem pro „Demokratische Allianz“ eingestellt und somit der kapstädter Regierung sehr freundlich gestimmt. Aufgefallen ist mir das noch nicht. Bis zu dieser Woche, als sie doch ziemlich stark und sehr emotional gegen den ANC und die fehlende nationale Unterstützung für Kapstadt im Kampf gegen die Wasserknappheit berichteten. So kommt wohl die ewige Fragerei nicht nur aus Desinteresse, sondern auch aus Mangel an Vertrauen. Aus Mangel an Vertrauen in die Regierung und aus Mangel an Vertrauen in die Medien. Selbst offizielle Briefe oder Statements der Regierung werden auf Facebook gepostet und gefragt: „stimmt das wirklich?“ Das Staatsfernsehen, ist hier wirklich ein Staatsfernsehen. Programme in allen 12 Landessprachen werden angeboten und die Nähe zur Regierung ist bekannt und wurde auch bereits bei einigen Skandalen bewiesen. Wir schauen es nicht, wir würden statistisch gesehen auch bloss alle 12 Stunden etwas verstehen. Fernsehen nach unserem Geschmack gibt’s hier nur als Pay-TV, ohne wirkliche Informationssendungen. Deshalb unterhalten wir uns mit den altbekannten Sendern aus der Heimat über Internet. Generell ist für uns das Internet das Informationsmedium Nr. 1. Mit der grossen Gefahr, wie schon mit dem Radio bewiesen, dass wir nicht so genau wissen, was stimmt und was propaganda-gefärbt ist. Die Sender sind ja nicht entsprechend angeschrieben. Wir Leben also medientechnisch im Land „nach der „No-Billag- Annahme“. Dies jetzt einfach mal als nachdenklichen politischen Gruss aus Südafrika in die Heimat.

Ganz gefeit vor falschen Informationen ist man natürlich schon heute nicht in der Schweiz. Das einzige Schweizer Boulevardblatt produzierte unter den deutschsprachigen „hier unten“ einen Shitstorm. Ein Journalisten-Schüler des „Blicks“, der zur Zeit in Kapstadt lebt, liess sich reisserisch zur Wasserlage zitieren: „man fühlt sich dreckig, hygienisch ist das nicht.“ „Touristen stornieren bereits ihre Reise nach Südafrika oder ziehen Reisen in andere südafrikanische Städte vor“. Blödsinn. Natürlich ist es nicht lustig mit nur 50 Litern pro Tag und Person auszukommen. Aber es geht problemlos. Alles Wasser wird gesammelt und so quasi zwei- oder sogar dreimal verwendet. Ungereinigt und hygienisch bedenklich ist deswegen bestimmt niemand unterwegs. Aber, und das ist wohl das Beste an der ganzen Situation. Einheimische und Touristen, alle werden sich so hoffentlich der Kostbarkeit des Wassers bewusst.

So leben wir also weiterhin äusserst wassersparsam, ohne uns aber irgendwie eingeschränkt und schon gar nicht unrein zu fühlen. Wir haben Freude am Leben, des Sommers und sogar unserer „Internet-Klingel“, die nun endlich einwandfrei funktioniert. An Kleinigkeiten erfreuen und geniessen, so lebt es sich wunderbar in Südafrika.

Man liest sich!

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