106) Spontan oder unverbindlich bis zur letzten Sekunde

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Das Wasser wird immer knapper, ein Gärtner der fastet und wie auch wir spüren, dass immer mehr Leute nicht mehr planen. Nichts scheint mehr verbindlich – dies alles im neuen Blog aus Südafrika.

 

Der Blog von letztem Sonntag ist keine Stunde online und schon werden die Wasser-Restriktionen Level 5 verkündet. Wie vermutet ändert sich eigentlich nichts. Die Stadt bekommt aber die Möglichkeit, hohe, wirklich hohe Bussen für Wasserverschwender auszusprechen. Wer also das Sparziel in seinem Haushalt verfehlt, wird kräftig zur Kasse gebeten. Südafrikaner sind der Meinung, dass die Stadt so die verlorenen Einnahmen durch die Wassereinkünfte, mit Bussen kompensiert. Die klammen Kassen von Kapstadt müssen irgendwie gefüllt werden. Wir sparen nun noch mehr oder wo es nur geht und haben neue Informationen in die Zimmer gehängt, mehr können wir nicht tun, ausser hoffen, dass unsere Gäste mitziehen und sich der Problematik bewusst sind.

Am sparsamsten sind natürlich die Gäste, welche gar nicht erst erscheinen. Zum zweiten Mal in unserem Gästehaus-Inhaber-Leben ist uns dies nun passiert. Nicht schlimm, gemäss unseren Geschäftsbedingungen konnten wir den vollen Betrag einziehen. Ärgerlich ist es natürlich trotzdem. Das Gästepaar schrieb uns vor ein paar Tagen, dass sie nicht kommen und ob wir ihnen mit den Stornierungsgebühren entgegenkommen. Aber, Regeln sind Regeln und natürlich für alle gleich. So waren wir also nicht wirklich überrascht, als sie nicht erscheinen. Vielleicht ist unser Verhalten nicht zeitgemäss oder kleinlich, aber man stelle sich vor, wir hätten auf Grund dieser „no Show-Buchung“ einer grösseren Gruppe absagen müssen, so hätten wir Geld verloren. Es gibt viele Betriebe, die in dieser Hinsicht kulanter sind, aber mit unserer kleinen Anzahl an Zimmern sind wir natürlich auch nicht so flexibel. Zudem nervt mich einfach dieses Gehabe, dieses neumodische Verhalten. Nichts ist mehr verbindlich, nichts wird mehr geplant, alles passiert nur noch spontan und aus einer Laune heraus. Dass Südafrikaner immer in drei, vier Unterkünften reservieren und dann Stunden vor dem Check-In entscheiden wo sie übernachten, darüber hab ich schon einmal geschrieben. Das machen wir nicht mit, vielleicht entgehen uns so Einnahmen – aber unser Haus, unsere Regeln.

Ich kann es einfach nicht nachvollziehen. Ich mag es, wenn ich auf Grund von Fotos mir ein Bild machen kann vom bevorstehenden Urlaub und steigere so meine Vorfreude. Ich möchte einfach wissen, was mich wo erwartet. Vielleicht ein Zeichen des Älterwerdens, wer weiss. Dass ein spontanes Verhalten oder eben Unverbindlichkeit durchaus an der Tagesordnung ist, zeigen mir einige Beispiele.

In einem Touristik-Forum für Südafrika, schreibt eine Userin, dass sie für ihren Südafrika-Urlaub die Route und die Unterkünfte schon komplett gebucht hat. Sie freue sich nun auf Tipps, da sie eh noch alles stornieren und umplanen könne. „Vorher fragen, vorher informieren“ denke ich. Doch nein, es ist einfach ein Zeichen der Zeit. Restaurants verlangen alle eine Telefonnummer, wenn man einen Tisch reserviert. Erscheint niemand, kann es durchaus sein, dass man auf der „Black-List“ erscheint und in Zukunft nicht mehr reservieren kann. Auf die Spitze treibt es ein Gourmet-Restaurant, welches sogar bei der Reservierung eine Anzahlung in der Höhe von ungefähr der Hälfte der erwarteten Tischrechnung verlangt. Wir nerven uns darüber, aber mittlerweile denke ich, die wissen schon warum.

Sonst läuft alles wie gewünscht und unsere Gäste läuten die Touristensaison immer mehr ein. Und auch mit unseren Angestellten läuft es so, wie es soll. Diese bekommen jeweils nebst ihrem Lohn auch das Mittagessen von uns. Der Gärtner wollte am Montag keines, bzw. wir sollen es ihm einpacken. Er faste und esse es dann abends. Ich schaue ihn wohl ein wenig verdutzt an, denn er erklärt sofort: „Normalerweise faste ich jeden Sonntag bis um halb fünf abends, keine Getränke, kein Essen gar nichts. Doch gestern war ich eingeladen und habe deshalb das Fasten auf Montag verlegt. Ich werde nichts Essen und Trinken, aber die zwanzig Minuten Pause am Mittag, die mache ich schon“. Wir amüsieren uns und ich sage zu Barbara, „bei uns gibt’s schliesslich auch jeden Freitag Fisch, ausser wir essen etwas anderes.“

Man liest sich!

 

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