104) Wenn der Baumfäller kommt…

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Eine winterlich kühle Südafrikanische Woche liegt hinter uns und trotzdem wurde im Garten gearbeitet – das kann zu einem Erlebnis werden.

Der Baum muss weg, der Baum ist tot und wir bekommen so mehr Fläche auf dem Gästeparkplatz. Soweit waren wir uns schon lange einig. Angepackt haben wir es, ganz südafrikanisch, erst diese Woche. Immer wieder sehen wir der Strasse entlang Schilder von „Treefellern“, welche anpreisen, dass sie eine Motorsäge haben und Referenzen vorweisen können. Wir finden auch ein paar auf dem Internet und schreiben diese an. Der erste meldet sich sofort, kommt vorbei und offeriert uns für 1500 Rand, den Baum bodeneben zu fällen, was er noch mit der Hand zeigt. Zudem will er auch gleich Feuerholz für uns hacken. Umgerechnet hundert Franken scheinen uns viel, wir sagen ihm, dass noch weitere kommen werden und wir uns wieder melden. Doch da haben wir wohl zu viel erwartet. Es erscheint keiner mehr.

So bleibt seine Offerte die einzige. Er kümmert sich auch sehr um den Job, ruft an, mailt fast gleichzeitig und die Preise sind immer andere. Bei 1200 Rand schlagen wir zu, per Mail. Er kommt, sobald das Wetter mitspielt. Es regnet immer mal wieder leicht, schlecht um auf Bäume zu steigen, windig ist es auch und vorallem immer noch unangenehm kühl. Wir verstehen also sein Zuwarten. Was wir nicht verstehen, dass er und seine zwei Begleiter ausgerechnet an dem Tag mit den schlechtesten Prognosen bei uns am Tor klingeln. Es geht also los.

Wir besprechen nochmals was zu tun ist, zwei der dreien verschwinden schnell wieder und der dritte, der fast kein Englisch spricht, bleibt hier zusammen mit einem dicken Seil und einer Motorsäge, die knapp grösser als ein durchschnittliches Schweizer-Sackmesser ist. Der Baum hingegen ist stattlich. Schneideblatt und Kette muss er noch vor Ort montieren, gut einen Liter Treibstoff lassen sie ihm auch noch hier. Zwanzig Minuten später steigt er schnell und flink auf den Baum bis in die Krone. Meter für Meter kürzt er den Baum bevor er die letzten zwei Meter dann noch so fällt, wie man Bäume eben fällen würde, wenn man es könnte. Die zwei anderen sind mittlerweile auch wieder hier und einer davon beginnt Kleinholz zu spalten. Der dritte, ist zwar am wetterfestesten angezogen, aber nur Chef und nicht zum Arbeiten hier. Der Strunk ist noch etwa einen halben Meter hoch und Barbara und ich sehen schnell, da bleibt noch ein grosses Stück Arbeit vor diesen zweien oder dreien. Da es schon lange leicht regnet, windet und kühl ist, verziehen wir uns wieder zu den Hunden vors Cheminee. Eine Stunde später, es regnet nicht mehr, wir gehen wieder raus. Der Strunk ist noch zehn Zentimeter hoch und die drei mit den Nerven und dem Latein am Ende.

Wir merken sofort, die haben genug. Wir sagen ihnen, dass der Strunk noch zu hoch ist und sie weiter arbeiten sollen. Der „Chef“ erwidert, dass für 1500 Rand nicht mehr möglich sei. Moment, wir haben 1200 für bodeneben und Feuerholz vereinbart, davon wissen die drei jetzt nichts mehr. Mailen und telefonieren gleichzeitig mit verschiedenen Preisangaben, ist also wohl ihr Geschäftskonzept. Da wir mit dem Ergebnis ihrer Arbeit einigermassen leben können, erklären wir ihnen, dass sie nun verschwinden können und 1200 Rand für die Arbeit bekommen oder aber sie machen fertig wie vereinbart und bekommen 1500 Rand. Arbeitsfaul wie sie eher den Anschein erregen, entscheiden sie sich für Variante eins und verduften. Bodeneben sei für sie eben, bis die Motorsäge am Boden. Gut kamen sie also mit solch einem kleinen Arbeitsgerät, sonst wäre der Strunk noch höher. Und die Moral von der Geschicht, selbst ein einziger Baum zu fällen, kann in Südafrika zu einem Erlebnis werden.

Man liest sich!

 

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